„Yayoi Kusame“: Mit der japanischen Künstlerin landet das Museum Ludwig einen Ausstellungs-Hit

Juni 2, 2026 Kunst/Ausstellungen

Yayoi Kusamas „Flowers That Speak All About My Heart“ (2018, bemalte Bronze) auf der Dachterrasse des Museums – Foto: JS

Die Ausstellung „Yayoi Kusame“ ist eine der teuersten Ausstellungen, die das Museum Ludwig je präsentiert hat – und eine der erfolgreichsten. Damit sie zustande kam, trugen zahlreiche Organisationen drei Millionen Euro zusammen. Und das hat sich gelohnt: Gut zwei Monate vor ihrem Ende haben über eine Viertelmillion Menschen die bunte Schau besucht – ein Besucherrekord winkt.

Angelockt wurden und werden sie vom Werk einer japanischen Künstlerin, die gerade ihren 97. Geburtstag gefeiert hat und wegen ihrer Zwangsstörungen und visuellen Halluzinationen seit 1977 freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio lebt. Dort arbeitet sie weiter – „psychosomatisches“ Kunstschaffen ist ihre Überlebensstrategie. In der Kölner Ausstellung greift ein dunkler Raum, auf den wenigen Möbeln kleben fluoreszierende Punkte, ihre aktuelle Wohn- und Lebenssituation auf.

Kunst als Lebensretter

300 ihrer Werke sind jetzt in Köln zu sehen. Ihr Markenzeichen: Kringel, Punkte, Kringel, Punkte. Diese Auflösung der Welt steht für ihre Sehnsucht nach Unendlichkeit. Unendlich auch der Raum in den Irrgärten, von denen in Köln gleich zwei stehen – ein auch außen verspiegelter auf der Dachterrasse gegenüber dem Dom. Der andere beherrscht den hinteren Ausstellungssaal. Zwischen dicken, ineinanderverschlungen schlangenartigen Gebilden muss der Besucher seinen Weg suchen – und sollte dabei keine Höhenangst haben. Denn der verspiegelte Boden täuscht eine unendliche dunkle Tiefe vor.

Blick in Yayoi Kusamas Kölner Installation „Infinity Mirrored Room – The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Eternally“ (1015, Mixed Media, Dimensionen variabel) – Foto: JS

Die Ausstellung zeichnet Kusamas Biografie nach. Als Kind erhielt sie ein Kunstverbot. Trotzdem malte sie schon mit zehn Jahren – Punktmenschen. Befreiung fand sie, als sie – Ende der 1950er Jahre, noch keine 30 Jahre alt – nach New York zog. Neben gegenständlichen Zeichnungen entstehen auch hier ihre minutiös ausgeführten Punktbilder, mit Netzen wollte sie ihre Halluzinationen einfangen. Mit Body-Painting protestierte sie gegen den Vietnam-Krieg. Parallel entwarf sie teure Mode.

Keine Chance gegen Warhol und Oldenburg

Es entstanden weiche Plastiken-Phalli, woraus sie für eine ebenfalls Performance gleich ein ganzes Boot zusammensetzte: ihr Widerstand gegen selbsterlebten Sex. Diese Arbeiten wurden zusammen mit Claes Oldenburg und Andy Warhol ausgestellt – doch nur die beiden Männer ernteten damit Anerkennung.

1973 kehrte Kusama nach Tokio zurück. Mit ihr der – gepunktete – Kürbis Schaffen. Auch mit der Vision von sprechenden Blumen setzt sie sich für Menschlichkeit und Frieden ein. Ihr Durchbruch kam 1993, als sie den japanischen Pavillon bei der Biennale von Venedig mit einem Spiegelsaal bespielte. Heute zählt sie im Kunstgeschäft zu den teuersten Künstlerinnen.

Yayoi Kusamas „Pumpkin (Kürbis“, 1981, faserverstärkter Kunststoff und Polyurethanfarbe) begrüßt die Besucher der Ausstellung – Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv, Marc Weber

„Yayoi Kusama“ – bis 2. August. Museum Ludwig. Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, www.museum-ludwig.de, Tel. 0221 / 221 261 55. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Karten müssen online bestellt werden: https://shop.museum-ludwig.de/webshop/webticket/timeslot. Die Karten können nicht umgetauscht oder zurückgegeben werden. Sie berechtigen auch zum Eintritt in die ständige Sammlung und Sonderausstellungen. Eintritt: 19,80/13,50 Euro (gilt für das gesamte Museum), Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren frei. Anfahrt: KVB-Bahn: Linien 5, 16, 18 (Dom, Hauptbahnhof)