NN Theater erweckt „Till Eulenspiegel“ zum Leben

Till Eulenspiegel (Sebastian Schlemmer) im Dialog mit seinem Schlangen-Ich. Fotos: Rene Achenbach / NN Theater
Till Eulenspiegel ist Sinnbild des Narren, der vor keinem Respekt hat, der den Menschen den Spiegel ihrer Dummheit vorhält. Ob er wirklich vor gut 700 Jahren gelebt hat, ist unsicher. Für das Kölner NN Theater aber ist klar: Er hat eine Biografie, in der sich Wortewender, Genaudahingucker, Gaukler, Dieb und Possenreißer vereinen. Und diese Geschichte bringen sie auf die Bühne. Jetzt hatte „Till Eulenspiegel beim Freiluft-Festival im Friedenspark am Donnerstag seine – verspätete – Köln-Premiere.
Auf der Bühne stehen nur ein Quartett: Christine Per, Michl Thorbecke, Christina Wiesemann und Sebastian Schlemmer, dazu für die Begleitmusik Raimund Gross. Nur vier – doch die schaffen es, sich unter der Regie von Sonja Kling blitzschnell in immer neue Rollen zu verwandeln und das Publikum mitzureißen. Dabei begleiten sie Till Eulenspiegel in drei Lebensstadien: Als Kind, Jugendlicher und gereifter Mann – immer von jemand anderem interpretiert.
Eine schwierige Geburt in düsteren Zeiten
Es beginnt mit Tills Geburt in eine schwierige Zeit hinein. Ein Slapstick-Akt in bester NN-Manier. Und leicht hat es das Kind Till nicht. Es herrscht Hungersnot, der Vater ist Köhler und kann die Familie nur mit Mühe ernähren. Klar, dass das Kind fliegen können will, um diesem Elend zu entkommen. Weil das nicht klappt, bleibt es bei seinen Streichen.

Till Eulenspiegel muss sich gegen misstrauische Mitmenschen behaupten.
Als sein Vater in die Mühlen der Macht gerät und schließlich hingerichtet wird, will er es der Gesellschaft heimzahlen. Aus seinen Streichen werden geschickte Manipulationen seiner Mitmenschen, bei der er deren Schwächen geschickt einsetzt und so die Verantwortung an diese zurückgeben kann. Dabei wohnen zwei Seelen in seiner Brust: Die eine zweifelt an sich selbst, will eigentlich nur das Gute, die andere will ihn verführen – dargestellt durch einen Strumpf in Schlangenform, den sich der oder die jeweils Till-Darstellende zum Dialog über die Hand gezogen hat.
Das alles spielt in einer sparsamen Kulisse: Eine Wand aus braunen Tüchern mit zahlreichen Schlitzen als Bühnenhintergrund und drei Kisten reichen aus, um immer neue Erlebniswelten zu schaffen.
Mit dreckigem Trick der Hinrichtung entkommen
Schließlich begleitet die Inszenierung Till auf einer Reise von Dänemark bis Rom, wo er sogar den Papst zum Narren halten kann. Ein Detektiv ist auf seiner Spur, dem es schließlich gelingt, Till vor Gericht zu bringen. Und nun will sich die Gesellschaft dafür rächen, dass er ihr immer wieder den Spiegel vorgehalten hat: Sie verurteilt ihn zum Tode. Doch der Hinrichtung entkommt Till bewährter, diesmal besonders deftiger Manier – und nicht zuletzt mit Hilfe des Publikums, das hier lautstark zu seinen Gunsten ins Geschehen eingreift. Und nach zweineinhalb STunden (inkl. Pause) belohnt es das Ensemble mit langem Premierenbeifall.

Auch im Krankenhaus spielt Till Eulenspiegel mit den Wünschen seiner Mitmenschenspielt ein Unwesen.
Die Premiere hatte eigentlich am Tag zuvor stattfinden sollen, musste aber wegen Unwetterwarnung kurzfristig abgesagt werden. Sonst durchaus regenfest, hatte das NN Theater in diesem Fall in weiser Voraussicht nicht gespielt. Nun wird das Stück noch an diesem Freitag und Samstag angeboten. Am Sonntag steht „Holmes & Watson“ auf dem Programm, am Montag die „Odyssee“. Beginn jeweils 20 Uhr.
Außerdem lädt das NN Theater im Spetember zum Freilufttheater ins Waldbad Köln-Dünnwald. Auf dem Programm: „Holmes & Watson“ (4. September), „Peer Gynt“ (5. September), „Till Eulenspiegel“ (6. September), Beginn jeweils 19:30 Uhr.
Tickets für beide Festivals:unter www.qultor.de