„Swinging Cologne“ – Stefan Winges’ neuer Krimi im emons-Verlag enttäuscht

„Eine aufregende Zeitreise ins Köln der wilden Sechziger“ verspricht der Text auf der Rückseite des neuen Krimis „Swinging Cologne“ von Stefan Winges, der jetzt im emons-Verlag erschienen ist. Doch dieses Versprechen kann er nicht erfüllen.
Dabei ist die Geschichte durchaus spannend: Chrissy, Anfang 20, wird von Kommissar Holger Paffrath gebeten, ihr bei der Suche nach einem verschwundenen Mädchen zu helfen. Warum die Wahl gerade auf sie fällt, bleibt allerdings bis zum Ende unklar. Doch Chrissy ist die geeignete Person, sie findet das Mädchen und gerät in eine komplexe Geschichte, in der gewalttätige Rocker und rechtsgerichtete Politiker eine düstere Allianz bilden.
Amateur-Detektivin liefert entscheidende Hinweise
Es entwickelt sich eine gefährliche Mordgeschichte um Drogengeschäfte, Zwangsprostitution und Mädchenhandel. Doch Chrissy lässt sich allen gutmeinenden Empfehlungen zum Trotz nicht von ihren Nachforschungen abhalten – und entkommt wiederholt nur knapp der Verfolgung der gewalttätigen Gang. Doch am Ende ist sie es, die der Polizei die entscheidenden Hinweise liefert.
Eingebettet ist die Geschichte in die ausführliche Schilderung des beginnenden Club-Lebens in Köln, das den jungen Kölnerinnen und Kölnern den Weg aus enger Bürgerlichkeit und somit Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben verspricht. Das ist gespickt mit Musiktiteln aus dieser Zeit und anderen Fakten wie den damaligen TV-Hits „Mit Schirm, Charme und Melone“, „Funkstreife Isar 12“ oder „High Chaparral“, der Zigarettenmarke „Roth Händle“.
Fortsetzung deutet sich an
Doch der jugendliche Sturm-und-Drang-Funke will beim Lesen nicht so richtig überspringen – weniger Story wäre vielleicht mehr. Letztlich könnte die Geschichte auch in diesen Tagen spielen. Doch wird es wohl eine „Fortsetzung“ geben. Schließlich gründet Chrissy am Ende eine „Cologne Mystery Agency“ für „Private Ermittlungen“. Und auch der Verbleib und die wahre Identität von zwei Haupthandelnden – ein Verbrecher und ein Schwarzer (ihn hätte man seinerzeit noch mit dem N-Wort benannt), der Chrissy mehrfach in letzter Minute aus Lebensgefahr rettet – warten noch auf Aufklärung.
Stefan Winges: „Swinging Cologne“, emons Verlag, Köln 2026, Paperback, 336 Seiten, 15 Euro