„Rechtsprechungsdatenbank NRW“: Suse Itzels dokumentiert im Kunstraum Matjö sexuellen Missbrauch

Mai 15, 2026 Kunst/Ausstellungen

Suse Itzel: „Rechtsprechungsdatenbank NRW“: Blick in die Ausstellung. – Fotos: JS

Künstlerisch anspruchsvoll, inhaltlich schwer verdaulich: Die Ausstellung „Rechtsprechungsdatenbank NRW“ von Suse Itzel im Kunstraum Matjö hat das Thema sexuelle Gewalt, in Politik und Medien gerade heiß diskutiert. Die Kölner Künstlerin verarbeitet darin auch eigene Erfahrungen.

An den gegenüberliegenden Wänden hängen – wohlgeordnet in Reih und Glied, eins davon als Einzelexemplar herausgehoben – 120 aufgeklappte Hängeregister. Aus ihnen heraus sind Großbuchstaben geschnitten. In knappen Worten zitieren sie die Urteile aus Gerichtsverhandlungen, in denen wegen des Verstoßes gegen die Paragrafen 176 (Missbrauch von Kindern) oder 177 (sexueller Missbrauch, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) verhandelt wurde. Verhängt wurden zum Teil langjährige Gefängnisstrafen, teilweise Freisprüche sind die Ausnahmen. Gefunden hat die Künstlerin diese anonymen Daten auf der offiziellen Internetseite des NRW-Justizministeriums.

Parallelen zur eigenen Leidensgeschichte

Auf einem knapp viertelstündigen Audio bewertet die Künstlerin die einzelnen Urteile und ihre Begründungen, zieht dabei mögliche Parallelen zu ihrer eigenen (Familien-)Geschichte. Etwa, warum ein Kind sich nicht hilfesuchend an seine Mutter gewandt hat. Thema auch die Rolle des Psychiaters, der den Angeklagten begutachtet.

Eins von 120 Hängeregistern mit dem Urteil mit dem zusammengefassten Urteil.

Auf persönliches Nachfrage erzählt sie – ohne dabei ins Detail zu gehen –, dass sie als Kind von einem Familienmitglied missbraucht wurde. Aktuell verstand sie diesen Missbrauch damals noch nicht, später sah sie sich nicht zu einer Anzeige imstande. Das gilt bis heute.

Das Trauma sucht sie heute in einer Therapie zu heilen. Diese Ausstellung, betont sie, sei keine Aufarbeitung des eigenen Erlebens, sondern für sie die Möglichkeit, dieses Thema künstlerisch zu bearbeiten und es anderen leichter zu machen, sich damit zu beschäftigen. In Köln ist sie Mitbegründerin der queer-feministischen Lese- und Talkreihe „ohne Pronomen“. Im Vorjahr hatte sie das Thema des sexuellen Missbruchs unter dem Titel „Fake it till you make it, fake it till you die“ im Rahmen der Kölner Litfaßsäulen-Kunst behandelt.

Suse Itzel: „Rechtsprechungsdatenbank NRW“ – bis 3. Juni 2026. „Matjö – Raum für Kunst des Bundesverbandes Bildender Künstler*innen Köln e.V.“, Mathiasstr. 13, 50676 Köln. Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag 14-18 Uhr, Eintritt frei. Anfahrt: KVB-Bahnlinien 1,5,7,9 – Heumarkt; KVB-Buslinien 133, 132 – Heumarkt, 178 – Mühlenbach