Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam

Januar 14, 2026 Köln

Klassenfoto 1923 (Fotograf*in unbekannt) – © Archiv Museum Ludwig

Ernst blicken die Kinder in die Kamera: Ihre Einschulung wird zur Erinnerung festgehalten. Das war 1923. Ganz anders 40 Jahre später. Jetzt sind die Kinder fröhlich, lachen und strahlen den Fotografen an. Zwei Fotos, mit denen die Ausstellung „Smile“ im Museum Ludwig exemplarisch die Frage im Untertitel beantwortet: „Wie das Lächeln in die Fotografie kam“.

Und der Unterschied ist frappant: Ernst und streng präsentieren sich Porträtierten in den Anfängen der Fotografie – sie wurde 1839 vom Franzosen Jacques Daguerre erfunden. Bei der Erzählung dieser Geschichte kann das Museum auf die eigene Sammlung mit rund 70.000 Fotografien zurückgreifen, mit rund 100 Bildern wird sie hier nachgezeichnet.

Auf einer Wand mit 19 historischen Fotos kann sich der Besucher auf Entdeckungsreise durch die Fotogeschichte begeben. Nicht ganz einfach, denn es fehlen die direkten Bezüge – etwa durch Zahlen – zwischen den Exponaten und den dazugehörigen Quellenhinweisen auf der gegenüberliegenden Wand. Trotzdem: Ein spannender Überblick.

Viel Geld und Aufwand für ein Fotoporträt

Dass zu Beginn Fotografiertwerden nicht unbedingt ein Vergnügen war, zeigt das Foto eines im Stil der Zeit aufwändig dekorierten Studios im Jahre 1860. Die Technik der Plattenkameras war aufwändig, die Belichtungszeiten waren lang – bei der kleinsten Bewegung wurde das Bild verwackelt. Der Kopf wurde von einer Nackenstütze festgehalten, was wohl kaum zur Entspannung beitrug. Teuer war es dazu, das konnten sich nur wenige leisten. Und die legten Wert auf Vornehmheit, auf Ernst, auf Würde. Bestenfalls wurde Lächeln angedeutet – wie bei der Mona Lisa, deren Bild hier nicht fehlen darf.

Blick in die Ausstellung „Smile!“ – welches Foto zeigt lächelnde Menschen, welches ernst blickende? – Foto: JS

Das Lächeln kam erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu seinem Recht. „Schuld“ daran war das Aufkommen des Stummfilms, so Fotohistoriker. Die fehlenden Worten mussten durch Gestik und vor allem Mimik ersetzt werden. Immer wieder zeigte die Kamera Gesichter und die darin gespiegelten Emotionen in Großaufnahme. Zudem löste das Porträt mit der Zeit die Ganzkörperaufnahme ab. Das wurde in den 1920er Jahren durch die Erfindung der Fotoautomaten verstärkt, in denen sich jeder nach Lust und Laune ausprobieren konnte, wie es das Beispiel aus dem Kölner Kaufhof zeigt.

Lächeln als Beweis für Glück

Und so galt das Lächeln bald als Beweis für Glück und Zufriedenheit. Das gilt erst recht für die Zeit des Wirtschaftswunders. Lächelnde Menschen in der Werbung versprachen Fortschritt und gutes Leben – wie etwa bei dem Bild einer glücklichen Familie mit dem fotografierenden Vater, mit dem Agfa Mitte der 1960er Jahre warb.

Klassenfoto 1963 (Fotograf*in unbekannt) – © Archiv Museum Ludwig

Eine US-Studie von Klassenfotos zeigt, dass die „durchschnittliche Lippenkrümmung“ auf den Fotos von 1910 bis 2010 kontinuierlich zunahm. Bei Frauen mehr als bei Männern. Heute ist Lächeln ein Muss. „Cheese“ ist wohl auch in Deutschland das bekannteste Wort, mit dem Fotografen ihre Kunden zum Lächeln auffordern. Und wer will sich schon mit den schnell anzufertigenden und sofort verschickten Selfies als Miesepeter präsentieren? Oder sich so von seinem Begleiter fotografieren lassen, wenn er sein Gesicht durch das Loch steckt, das eine Stellwand anstelle des darauf gemalten Gesichts öffnet?

„Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“ – bis 22. März 2026. Museum Ludwig. Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, www.museum-ludwig.de, Tel. 0221 / 221 261 55. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Eintritt: 15,40/10,40 Euro (gilt für das gesamte Museum), Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren frei. Jeden ersten Donnerstag im Monat ab 17 Uhr 7 Euro, für Kölnerinnen und Kölner ganztägig frei. Katalog: 38 Euro. Anfahrt: KVB-Bahn: Linien 5, 16, 18 (Dom, Hauptbahnhof)