„WITTERN“: SimultanProjekte 2026 spielen mit dem Raum um die ehemalige Volksschule Volkhoven

Juni 1, 2026 Kunst/Ausstellungen

Nadine Karl hat diesen Brunen gefunden und nach Volkhoven gebracht. Fotos: Hubert Brand

Am 30. Mai 2026 wurden die SimultanProjekte 2026 auf dem Gelände der ehemaligen Katholischen Volksschule Köln-Volkhoven eröffnet. Unter dem Titel „WITTERN“ greifen die Künstlerinnen Mira Siering und Nadine Karl Themen von Verfall, Gemeinschaft und der Suche nach neuen sozialen Ritualen auf. Sie treten in einen Dialog mit künstlerischen (Denk-)Räumen und dem Gelände. Während Siering vier Objekte auf dem Schulhof platziert hat, bespielt Karl den Garten.

Für ihre Objekte mit dem Titel „Vom Entweichen“ verwendet Siering verzinktes Stahlblech. Es handelt sich hierbei um ihre erste Arbeit im Außenraum. Sie greift die Bodenbeschaffenheit auf und weist mit Pfeilen auf die Gebäude hin: das ehemalige Schulgebäude und die Simultanhalle, die seit Januar 2018 nicht mehr betreten werden darf und im letzten Jahr umzäunt wurde.

Der Pfeil aus verzinktem Stahlblech zeigt auf die Rückwand des ehemaligem Schulgebäude

Feministische Theorie und ökologische Reflexion

Karl schafft Werke zwischen Film, Fotografie, Installation und Skulptur. Sie hat für ihre Objekte den Titel „Intime Komplizenschaft“ gewählt und verbindet künstlerische Praxis mit einer ökologischen Reflexion und einer feministischen Theorie.

Beim Betreten des Gartens fällt ein Brunnen auf und als Kenner des Geländes stellt sich die Frage: „War der schon immer da oder ist er neu?“ Den Brunnen hat Karl gefunden und für die Ausstellung mit Objekten dekoriert, welche Riesenschwämme und Islandmuscheln darstellen und aus Sand und Bindemittel mittels 3D-Drucker geschaffen und durch UV-Strahlung geschwärzt und gehärtet wurden. Tief im Dickicht steht ein gebogener Aluminium-Träger, auf dem eine Fotocollage mit der chilenischen Atacama-Wüste als Hintergrund zu sehen ist.

Die Künstlerinnen Nadine Karl und Mira Siering (r.)

Die SimultanProjekte 2026 werden gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Kulturamt der Stadt Köln, Wunderkammer Stiftung und GLS Treuhand e.V. sowie mit freundlicher Unterstützung von Gaffel Kölsch und Ströer. Die SimultanProjekte beschäftigen sich jedes Jahr mit der Örtlichkeit, dem Schulgelände, den Gebäuden sowie der Vergangenheit und der Zukunft.

Vor 62 Jahren Schauplatz eine Amoklaufs

Die Simultanhalle wurde 1979 als Testbau für das geplante Museum Ludwig gebaut. Künstler verhinderten 1983 ihren Abriss, sie wurde dann als Ausstellungsraum genutzt. Seit 2018 ist sie geschlossen. Die Volksschule war 1964 Schauplatz eines Amoklaufs, bei dem ein Frührentner mit einem selbstgefertigten Flammenwerfer acht Kinder und zwei Lehrerinnen tötete. Später wurde das Gebäude zum ersten Atelierhaus Kölns. Am 11. Juni 2026, dem 62. Jahrestag des Attentats, stellt der Bürgerverein Köln Volkhoven-Weiler hier eine Pflanzschale auf. (Text: Hubert Brand)

Simultanhalle – Köln, Volkhoven, Volkhovener Weg 209-222. Neben der Ausstellung auf dem Gelände bietet das Programm auch einen Performance-Tag am 20. Juni 2026 (17:00 bis 22:00 Uhr) sowie drei Workshops (Anmeldung erforderlich) an: 27. Juni 2026 – mit Nadine Karl und Aenne Lowisch, 25. Juli 2026 – mit Mohamad Moe Sabbah und Thomas Bartling, 15. August 2026 – mit Philip Nürnberger und Markus Pinell. Weitere Informationen wie Öffnungszeiten siehe unter https://simultanhalle.de/ausstellungen/wittern/