„Schichten und Schnitte. Chinesische Lackkunst“ – Museum für ostasiatische Kunst zeigt traditionsreiche Handwerkskunst

„Deckeldose mit Opferszene im daoistischen Paradies“, Durchmesser 17 cm, Song-Dynastie (960-1279) – © HAStK/RBA, Marion Mennicken
Mit der Sonderausstellung „Schichten und Schnitte. Chinesische Lackkunst“ öffnet das Museum für ostasiatische Kunst den Blick auf ein faszinierendes traditionsreiches Handwerk. Möglich wird das nicht zuletzt durch die Kooperation eines Sammler-Ehepaares, das 55 Objekte ausgeliehen hat. Aus Museumsbeständen kommen fünf weitere Exponate dazu.
Die Ausstellung führt chronologisch vom 12. bis zum frühen 17. Jahrhundert durch die Geschichte die Lackkunst, in der anfangs die Farbe Schwarz vorherrschte, die dann durch das glückbringende Rot abgelöst wurde. Lackkunst ist ein chinesisches Handwerk, das über Jahrtausende zurückreicht. Es ist eine überaus langwierige und komplizierte Arbeit, ein Objekt fertigzustellen. Grundlage ist der Saft des Lackbaumes, der zum Beschichten, Imprägnieren und Färben der Holz- und Keramikobjekte verwendet wird. Um ihn zu gewinnen, wird der Baum angezapft und liefert dann maximal 200 Milliliter pro Jahr. Oft stirbt der Baum danach ab.
Giftiges Material verträgt Hitze, aber kein Licht
Der milchig-weiße Saft wird dann in einer hauchdünnen Schicht auf das Objekt aus Holz oder Keramik aufgetragen: Teller: Platten, Dosen, Schalen, Kassetten für Dokumente, Rahmen für Handspiegel. Jede Lackschicht – oft mit Mineralpigmenten gefärbt – muss erst tagelang trocknen, bis die nächste folgen kann. Gut 100 von ihnen ergeben eine 1 Zentimeter dicke Schicht. Der Lack ist wasser- und säurefest, hält Temperaturen bis 150 Grad aus, ist aber auch giftig. Trockene Luft verträgt er nicht, auch kein helles Licht. Weshalb es im Ausstellungssaal dämmrig ist.

„Schalenstand mit Pflanzen der vier Jahreszeiten“, Durchmesser 15,8 cm, Yuan-Dynaystie (1279-1368) – © HAStK/RBA, Marion Mennicken
Darum ist bisweilen etwas schwer zu erkennen, was in die dicke Lackschicht hineingeschnitzt wurde: florale Muster, Vögel, Landschaften, Angler oder Geschichten wie die von den drei Gelehrten, die sich vor einem Wasserfall treffen. Zwei Dosen stammen aus dem Kaiserpalast: Als sie diesen verließen, wurden den Drachen, dem sie zierenden Herrschaftssymbol, die fünfte Kralle entfernt.
Aufwändig in der Gestaltung ist auch die Kombination mit Perlmutt. Alles Statussymbole für die Oberklasse und für Gelehrte. Und wichtige Exportgüter nach Japan, Korea und Europa, wo sie etwa in Kurfürst Clemens August einen Fan fanden. Auch heute erzielt chinesische Lackkunst bei Auktionen hohe Preise.
„Schichten und Schnitte. Chinesische Lackkunst“ – bis 31. Januar 2027. Museum für Ostasiatische Kunst, Universitätsstr. 100, Tel. 0221 / 221 28 608, https://museum-fuer-ostasiatische-kunst.de. Di-So 11-17 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11-22. Eintritt: 9,50/5,50 Euro. Anreise: Straßenbahn KVB-Linie 1 und 7, Bus Linie 141, Haltestelle „Universitätsstraße“