Schauspiel Köln – nach 15 Jahren Interim endlich wieder Theater an alter Stätte

Schauspielchef Kay Voges: Nach einem Jahr im Interim endlich in der sanierten Spielstätte am Offenbachplatz. Fotos: JS
Nach 15 Jahren wieder Theater an alter Spielstätte am Offenbachplatz: Schauspielchef Kay Voges ist voller Optimismus. Noch fehlt im neuen Erfrischungsraum am Opernplatz die Klimaanlage. Auch der Sanitärbereich wartet noch auf seine Vollendung. Doch Bühnenbeleuchtung und -akustik sind schon perfekt. „Da brauchen wir keine Mikrophone mehr“, verspricht er, als er das Programm für die kommende Spielzeit vorstellt. Am 25. September wird das neue Haus mit der Komödie „In bester Lage“ über die Schwierigkeiten einer Gebäudesanierung eröffnet. Am Wochenende davor lädt das Schauspiel zu einem Eröffnungsfest ein.
26 Premieren stehen in der Spielzeit 2026/27 auf dem Programm, davon 18 Ur- und Erstaufführungen. Nicht wenige davon sind eigens für das Haus geschrieben. Grundlage für das künftige Programmangebot sind 96 Thesen – „bewusst eine mehr als bei Luther“, so Voges – als Grundlage für ein Manifest zur Theaterarbeit. Daraus ergibt sich als ein wichtiges Thema die Auseinandersetzung mit dem Faschismus. Kernfrage: Was ist Deutsch? Was etwa haben Goethe, Schiller, die Gebrüder Grimm oder Heinrich von Kleist gemeint, wenn sie von Deutschsein sprachen?
Diskussion über neuen Nationalismus anstoßen
„Wir wollen eine Debatte über den neuen Nationalismus anstoßen“, hofft Chefdramaturg Alexander Kerlin. Unter die Lupe genommen wird in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Rechtsprechung, etwa in „Eine Sache der Auslegung“ von Olga Bach, Uraufführung nächstes Jahr am 30. Januar.
Wichtig hierbei auch die Frage, welche Rolle die Sprache zur Identitätsfindung spielt. Ein Thema, das unter anderem Peter Handke in seinem „Kaspar“ behandelt. „Kunst ist Widerstand“ ist die Überschrift für einen weiteren Themenkomplex. Hier sollen die Gender-Debatte verhandelt, die patriarchale Gesellschaft und die weibliche Gegenwehr unter die Lupe genommen werden – nicht nur mit neuen Stücken, mit „Antigone“ findet sich hier auch ein Beispiel aus der Antike.
Talkrunden über Journalismus und Theater
Auch Journalismus wird zum Thema. Etwa in „Der Tag, an dem ich CUM/EX verstand“ von Traudl Bünger und Calle Fuhr. Letzter schrieb auch den „tragisch komischen Bühnenessay“ „Die Deutsche Bahn AG“. Begleitet wird dieser Themenkomplex von einer Talkreihe.

Noch bestimmen Baumaterialien das Bild am Offenbachplatz.
Nach der Streichung der Mittel für eine eigenen Tanzcompany mit Marlene Monteiro Freitas setzt Tanz-Chefin Hanne Koller wieder auf elf Gastspiele, darunter auch wieder das Nederlands Dans Theater. Freitas kann immerhin zwei eigene Stücke beisteuern.
Neben den Spielstätten am Offenbachplatz – Schauspielhaus, Kleine Bühne, Erfrischungsraum (soll Kölns bester Club werden) – kehrt man auch an das alte Interim Depot nach Mülheim zurück. Fortgeführt wird die Zusammenarbeit mit Schulen. Sieben Schauspiel-Studenten aus Leipzig erhalten die Gelegenheit ein eigenes Stück zu inszenieren.