Kunst- und Museumsbibliothek zeigt „BuchstabenBilderBücher, Bücher von Rolf Lock“

September 28, 2026 Kunst/Ausstellungen

Rolf Lock: „Das Lied von der Moldau“ von Bertold Brceht (Ausschnitt).

Nach dem jüngsten Pisa-Test ist es mit der Schreib- und Lesekompetenz der deutschen Schüler nicht gerade zum Besten bestellt. Vielleicht sollte es mehr Schulbesuche in der aktuelle Ausstellung der Kunst- und Museumsbibliothek geben, um die Entdeckerlust an der Schrift zu fördern. Denn die wecken die Arbeiten im Museum Ludwig Arbeiten von Rolf Lock, dem heute wohl renommiertesten Kalligraphen – wobei „Schönschreiber“ hier viel zu kurz gegriffen ist.

Wenn Flamingos ein Alphabet tanzen

Denn Lock kann nicht nur schön schreiben, und das sogar lateinisch mit Anklängen etwa an das japanische Schriftbild. Ausschlaggebender für seine Arbeit ist die Phantasie, mit der er Schrift – vor allem die Buchstaben – interpretiert. So „erfindet“ er ein Alphabet, bei dem Flamingos mit Hals, Beinen und Flügeln die Buchstaben formen. Auch Insekten und Krokodile üben sich so in der Schriftkunst. In seinem „Totentanz“-ABC lässt er durchaus naheliegend Skelette tanzen.

Der 1955 in Düren geborene Künstler hat eine Vorliebe für Leporellos – wegen der aufwendigen Bearbeitung meist Unikate. So schneidet er etwa – Buchstabe für Buchstabe – aus dem Papier Bertold Brechts Text „Das Lied von der Moldau“: ein höchst fragiles, spannendes Leseerlebnis. Genauso setzt er Friedrich Hölderlins „An meine Schwester“ um. Christian Morgensterns „Winkeladvokaten“ bannt er auf einen Zollstock, ergänzt von skurril geformten Buchstaben aus Draht. Selbst Glasstücke fügt er zu einem Leporello zusammen, beschriftet mit Inuit-Wörtern über Schnee.

Bücher, kleiner als eine Streichholzschachtel

Rolf Lock: „Der Anarchist“ von Joachim Ringelnatz.

Klein, aber trotzdem nicht zu übersehen seine Miniaturbücher, manche kleiner als eine Streichholzschachtel. Bei einem Streichholzbrief verwandelt er die Hölzer in kleine Figuren – und fertig ist die Umsetzung von Joachim Ringelnatz’ Gedicht „Der Anarchist“, in dem ein Schwefelholz eine gefährliche Rolle spielt. Ebenso erfahren Texte von Rudyard Kipling, Anita Shreves, Marcel Petit oder Akira Kurasawa hier ihre phantasievolle handfertige Interpretation.

„BuchstabenBilderBücher, Bücher von Rolf Lock“ – bis 25. Oktober 2026. Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln im Museum Ludwig (Eingang Filmforum). Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Mo 14-21 Uhr, Di-Do 10-21 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr. Eintritt frei. Anfahrt: KVB-Bahn: Linien 5, 16, 18: Dom/Hbf