Im Freien Werkstatt-Theater ergründen die „Rheintöchter“ die Zusammenhänge der Welt

Nico Hartwig (l.) und Aline Bucher überzeugen als „Rheintöchter“ auch durch Akrobatik. – Fotos: Julia Franke /FWT
Goldgeil sind die Rheintöchter in Wagners Oper. Sie wollen zurück, was Zwerg Alberich ihnen geraubt hat. Ganz anders die „Rheintöchter“, die das Neo Musical Kollektiv im Freien Werkstatt-Theater auf die Bühne bringt. Als „Messy-Girls“ wollen sie den gängigen (Schönheits-)Trends trotzen und die Schwächen der Gesellschaft und der Gegenwart erkunden.
Dazu schwimmen sie zunächst einmal den Rhein hinab, steigen an der Mündung aus dem Wasser und legen Flossen und Schuppen ab. Dann gehen sie über Land zurück bis zur Quelle ihres Schicksalsflusses, steigen dort wieder ins Wasser und machen sich ihre Gedanken, was sie unterwegs sehen und erleben.
Dabei durchleben sie „ein queerfeministisches, postdramatisches Musical über Resilienz, Schutzräume, Kulturkampf und das Verweilen in Zeiten gesellschaftlicher Kipp-Punkte“ – so verspricht es die Gruppe. Sie machen sich Gedanken über den Weltuntergang, über Umweltzerstörung, über Kindheit, Alpträume, über Scham und Friedrich Merz, Kindheit und Oktoberfest, die Vorzüge und Gefahren von Freiheit.

Bisweilen versteckten sich die Rheintöchter im Bühnennebel.
Vieles geht akustisch unter
Zumindest ist es das, was man erahnen kann. Denn die meiste Zeit ist das Bühnen-Duo Aline Bucher und Nico Hartwig so lautstark aktiv, dass ihre Worte nur schwer zu verstehen sind. Und die meisterhaft, schmissig und eben laut vorgetragenen Songs – unterstützt von Ronald Schwandt mit Keyboard und Gitarre – haben englische Texte. Warum eigentlich?
Nach gut 100 Minuten gab es langen Premierebeifall. Und den hatte sich das Trio mit seiner Musikkunst und seinem fast pausenlosen Bühnenlauf mehr als verdient. Beeindruckend auch die Lichtspiele, etwas aus der Zeit dagegen der Einsatz von Live-Kameras.
„Rheintöchter“ – die nächsten Vorstellungen: 23. und 24. Oktober, jeweils 20 Uhr. Freies Werkstatt-Theater, Zugweg 10, 50677 Köln, www.fwt-koeln.de, Kartenbestellungen: 0221 / 32 78 17. Anfahrt: KVB-Linien Bahn: 13, 15, 18; Bus: 106, 132, 133, 142 – jeweils Chlodwigplatz