Rautenstrauch-Joest-Museum hinterfragt mit „Return“ die Verbindungen zwischen Erster und „Dritter Welt“

Oktober 8, 2026 Kunst/Ausstellungen

Ruth Afane Belinga: „Wall of Reclamations“ (Tinte auf Jutegwebe, 2026, Ausschnitt) – Foto: JS

Zum Jahresende endet der Vertrag von Nanette Snoep als Direktorin des Rautenstrauch-Joest-Museums. Zum Abschied zieht sie mit der engagierten Ausstellung „Return“ Bilanz des eigenen Hauses und der Politik völkerkundlicher Museen, die sich dem (abendländischen) Umgang mit der Identität von indigenen, oft kolonialisierten Völkern, deren Alltags- und Kultgegenstände widmen.

Dabei ist der Titel „Return“ ebenso vielfältig wie widersprüchlich – er umfasst in der deutschen Übersetzung Begriffe wie Rückkehr, Rückgabe oder Genesung, Verlustgefühle ebenso wie die Freude, etwas wiederzufinden. So soll die Kölner Ausstellung „von Sehnsucht, Zugehörigkeit und fragmentarischen Erinnerungen nach Erfahrungen von Verlust, Vertreibung und Entortung“ erzählen. „Return“ kann so neben dem Ende auch das Knüpfen neuer Verbindungen beinhalten.

Auf den Spuren von Gewalt und Hoffnung

Dafür versammelt sie aktuelle Arbeiten unterschiedlichster Genres von knapp zwei Dutzend „internationale Künstler*innen und folgt mit deren Werken den Spuren, die Gewalt, Kolonialismus und Krieg hinterlassen: Lücken in Archiven, verdrängte Geschichten und Erinnerungen, die in Körpern, Landschaften und Gemeinschaften weiterleben.“ Dazu gehören auch Diskussionen über die Rückgabe von kulturellem Erbe, das auf fragliche Art den Weg in ein europäisches Museum gefunden hat.

Federico Cuatlacuatl: „Xochipitzahuatl-Nova“ (2024) – © David Morales

Gleich zu Beginn eine positive Botschaft: Die Künstlerin Jacqueline Hen will eine Verbindung zwischen allen Menschen dieser Erde herstellen: „One’s Sunset is Another One’s sunrise“ nennt sie ihre Sonnenscheibe, die die Ausstellungsbesucher empfängt und aus schier unzähligen das rote Licht spiegelnden Kacheln besteht.

„Return“ geht auch durch den Magen

Pessimistisch dagegen das Video „Kein Change“ der Exil-Kurdin Pinar Ogrenci: Es dokumentiert die Flucht ihrer Landsleute nach dem Militärputsch 1980 in der Türkei. Die US-Fotografin Ayana V. Jackson setzt mit ihren Porträts Sklavinnen ein Denkmal, die bei der Überfahrt von Afrika nach Amerika über Bord geworfen wurden. Auch die Erinnerung an Genozide, koloniale Gewalt, Exil und Rassismus wird in der Ausstellung verhandelt. So hängt Ruth Afane Belinga einen Kreis aus beschrifteten Jutesäcken in den Saal, den „Wall of Reclamations“. Andere Künstler erinnern an Enteignungen, den Tod von Familienangehörigen, die Zerstörung der Umwelt. Ein Videofilm entführt in den tropischen Urwald. Ein ganz spezieller „exotischer“ Aspekt ist die Ablehnung lesbischer Frauen in der sorbischen Gemeinde Deutschlands.

Kader Attia: „Rochers Carrés“ (2008): Junge Algerier blicken übers Meer nach Europa – auch in eine glückliche Zukunft? – Courtesy of the Artist

Doch die Ausstellung soll nicht nur intellektuelle Auseinandersetzung fördern, dafür sollen regelmäßige Veränderungen sorgen. Eine Werkstatt lädt zum Reparieren und Ausprobieren exotischer Handwerkskünste ein. Ein reiches Musik- und Theaterprogramm wird angeboten. Und die Homefood Canteen Baraza stellt kostenlos Snacks – Return geht auch durch den Magen.

So locker die Ausstellung auch präsentiert wird, so locker sind leider auch die Hinweise auf die Exponate verteilt. Und Erklärungen zu den Videos scheint es nur auf Englisch zu geben. Auch einen erklärenden Katalog gibt es nicht.

„Return“ – bis 6. Dezember 2026. Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33, 50667 Köln, Tel. 0221 / 221-31356. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, erster Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Umfangreiches Begleitprogramm. Eintritt: 11/7 Euro, Kombiticket Dauerausstellung und „Amazonien“: 15/7,50 Euro. Anfahrt: KVB-Bahn Linie 1, 4, 7, 9 (Neumarkt), 12, 18, 19 (Rudolfplatz), KVB-Bus Linien 136, 146 (Neumarkt)