„Peer Gynt“ – Theater der Keller fesselt Publikum mit Ibsens Bühnenklassiker

September 15, 2026 Theater

Haben ein gespanntes Verhältnis: Peer Gynt (Thomas Brandt) und seine Mutter (Julia Staufer). – Fotos: Oliver Strömer

So richtig ernst scheint niemand Peer Gynt zu nehmen. Um endlich Anerkennung zu erhalten und dem Image des erfolglosen Bauernsohnes zu entkommen, will er Kaiser werden. Lidia Polito hat den Klassiker von Henrik Ibsen gestrafft und bringt ihn jetzt im Theater der Keller als „Peer Gynt, unersättlich“ auf die Bühne. Das Premierenpublikum war begeistert und spendete nach intensiven 80 Minuten langen verdienten Beifall.

Nein, einfach hat es Peer Gynt (Thomas Brandt) nicht. Er ist im eigenen Ich gefangen, er steht im Zentrum seiner Gedanken – symbolisch umgesetzt durch einen runden Teppich, zu dessen Mittelpunkt er immer wieder mürrisch zurückkehrt. Um ihn herum die Stimmen und Personen, die ihn mit ihrer Sicht der Dinge beeinflussen wollen. Aber auch Mut zur Selbstverwirklichung machen.

Gestörtes Mutter-Sohn-Verhältnis

Denn da ist zum einen seine Mutter, die ihn runterputzt, ihm nicht zutraut, den bankrotten Bauernhof zu retten. Gespielt wird sie von Julia Staufer. Sie übernimmt auch die Rolle von Solveig, einer Freundin Peer Gynts, treu, aber auch nicht gerade vor Selbstsicherheit strotzend.

Peer Gynts innere Stimme ist widersprüchlich – symbolisch dargestellt von Paula Wetten, Rayon Mühleib, Ruth Winandy (v.r.).

Schließlich das Trio Rayon Mühleib, Paula Wetten und Ruth Winandy, alle von der Schauspielschule der Keller. Sie überzeugen nicht nur, wenn sie als skurrile Trollfamilie auftreten und Peer Gynt die Kaiserrolle versprechen, wenn er eine Trollin heiratet. Worauf er allerdings nicht eingeht. Ihre eigentliche Aufgabe aber ist es, den Titelhelden zur Selbstreflexion zu überzeugen. Ob er seinen Wunsch, Kaiser zu werden, am Ende aufgibt, bleibt offen. Redestoff genug für den Nachhauseweg…

„Peer Gynt“ – die nächsten Termine: 25. September (20 Uhr), 26. September (19 Uhr), 30. Oktober (20 Uhr), 31. Oktober (19 Uhr). Theater der Keller, Siegburger Str. 233 (Halle im Hof), 50679 Köln-Deutz, Tel. 0221 – 31 80 59. www. theater-der-keller.de. Anfahrt: KVB-Linie 7 (Poller Kirchweg)