Dank "MemoRails": Neues Mahnmal im Bahnhof Köln-Deutz erinnert an die Deportation von Juden, Sinti und Roma

Oskar Weiß und Staatssekretär Michael Brand enthüllen die Mahntafel im Bahnhof Deutz.
Köln hat ein neues Mahnmal, das an die Deportation von Kölner Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten erinnert. Am Samstag wurde es im Bahnhof Deutz enthüllt. Dort hängt es in Hauptpassage an der Wand zwischen Ticket-Automat und Schließfächern. Es soll eine Sandsteintafel ergänzen, die eher unbeachtet schon seit 1990 am Auenweg zur Fußgängerunterführung zum Bahnhof Deutz auf dieses NS-Verbrechen hinweist.
Von hier aus wurden in den Jahren 1940 und 1941 über 1.500 Sinti und Roma sowie mehr als 11.000 Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager im besetzten Polen abtransportiert. Ebenso die Häftlinge des Messelagers Deutz. Zentraler Punkt des neuen Mahnmals ist ein QR-Code, mit dessen Hilfe man die Erzählungen von Opfern hören kann, die dieses Verbrechen überlebt haben.
Etwa die von Oskar Weiß, der rechtzeitig fliehen konnte, versteckt überlebte und 1945 nach Köln zurückkehrte und hier ein Geschäft eröffnete. Als er hier einen Pass beantragen wollte, verweigerten ihm dies dieselben Beamten, die seinerzeit an seiner Verfolgung beteiligt waren. Sein Enkel nahm an der Feier in Deutz teil.
Die dunkle Vergangenheit von 13 Bahnhöfen ans Licht holen
Ins Rollen gebracht wurde das neue Mahnmal von der Sinti-Allianz NRW. Deutz ist der 8. in der 13 Bahnhöfe umfassenden, vom Bund unterstützten Aktion „MemoRails“. Sie will mit Gedenkzeichen ein öffentliches Bewusstsein für die oft verdrängte Geschichte „hinter“ den Bahnhöfen in der NS-Diktatur schaffen. Michael Brand, Parlamentarischer Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung gegen Antiziganismus und für das Leben der Sinti und Roma in Deutschland, betonte in seiner Rede, wie wichtig es gerade in dieser Zeit sei, für Minderheiten einzutreten, die ein „guter Teil der Gesellschaft“ seien: „Wir wollen gleiches Recht für alle Menschen in Deutschland“. Die Deutsche Bahn unterstützt das Programm logistisch und kommunikativ.