Käthe-Kollwitz-Museum überrascht mit „Louise Stomps – Konturen des Inneren“

„Louise Stomps – Konturen des Inneren“: Blick in die Ausstellung. Im Vordergrund die Plastik „Der Sklave“ (1965, Ahorn).
Mit der Ausstellung „Louise Stomps – Konturen des Inneren“ präsentiert das Käthe-Kollwitz-Museum eine eigenwillige Einzelgängerin. Eine kompromisslose Künstlerin, die zu Lebzeiten im Kunstgeschäft nur kurz angemessen wahrgenommen wurde. Ein Fehler, wie jetzt die 42 Skulpturen aus Stein, Holz und Bronze sowie 36 Papierarbeiten eindrucksvoll beweisen – nicht zuletzt durch die Gegenüberstellung mit den Arbeiten der Museums-Namensgeberin.
Louise Stomps wurde 1900 in Berlin geboren. Frisch geschieden, begann sie dort 1928 als alleinerziehende Mutter einer Tochter in Abendkursen eine künstlerische Ausbildung, unter anderem im Verein Berliner Künstlerinnen. Doch bildete sie sich vor allem autodidaktisch mit Schwerpunkt Bildhauerei weiter.
Die früheste und die jüngste Skulptur
Die Ausstellung zeigt mit der „Sitzenden“ aus grünem Sandstein eine der frühesten erhaltenen Steinskulpturen aus dem Jahr 1928. Rund und kompakt, zeigen ihre Formen schon die Entwicklung zur Abstraktion, verbunden mit der Suche nach einem ausgewogenen Verhältnis von Form und Material. In ihrem Spätwerk werden Struktur und Maserung des Holzes eine zentrale Rolle spielen. Selbst alte Telegrafenmasten verwandelte sie in menschliche Figuren. Mit dem lebensgroßen „Aussteiger“ ist auch Stomps letzte unvollendete Arbeit zu sehen. Vereint sind sie durch Stomps’ zentrales Thema: Der Mensch, seine Gefühle und sein inneres Erleben.

„Die Sitzende“ – Louise Stomps’ früheste erhaltene Arbeit aus dem Jahr 1928
Als 1936 Werke von Käthe Kollwitz und Ernst Barlach aus einer Ausstellung entfernt wurden, zog sie sich aus dem Kulturbetrieb zurück. Bei einem Bombenangriff wurden ihre Wohnung, Atelier und der Großteil ihres bisherigen Schaffens zerstört.
Die Erfahrungen des Kriegs verarbeitet
Nach 1945 finden ihre Arbeiten, in denen sie die Kriegserfahrungen verarbeitet, wieder Interesse. 1947 wird ihre erste Ausstellung eröffnet, sie erhält den Kunstpreis Berlin, Museen kaufen ihre Arbeiten. 1948 beteiligte sie sich an der Ausschreibung für ein Denkmal für die Gedenkstätte Plötzensee, 1958 für ein Denkmal in Auschwitz – keines wurde umgesetzt. Auch an Hiroshima erinnert sie. Noch in Berlin gehörte sie zu den Gründerinnen des Berufsverbandes Bildender Künstler.

Louise Stomps’ letzte Arbeit: „Der Aussteiger“ (1988, Bergkirsche)
Doch das Kunstklima ändert sich, das Interesse an ihrer Kunst nimmt ab. 1960 kauft sie sich in Oberbayern eine alte Wassermühle, wo sie fortan wohnt und arbeitet. Ein Video in der Ausstellung zeigt sie bei der Arbeit, zahlreiche Fotos spiegeln ihren Alltag wider. Eines zeigt sie mit ihrem Motorrad – Reisen damit waren ihre Leidenschaft, der sie bis ins hohe Alter frönte. 1988 verunglückt sie bei einem Unfall tödlich, sie wird in Berlin begraben.
„Louise Stomps – Konturen des Inneren“ – bis 28. Juni. Käthe-Kollwitz-Museum Köln, Kreisparkasse Köln, Neumarkt 18-24. Tel. 0221 / 227 28 99, www.kollwitz.de, museum@kollwitz.de. Öffnungszeiten: Di-So und Feiertags 11-18 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat 11-21 Uhr. Eintritt 8/4 Euro, freier Eintritt für alle unter 18 Jahren. Anfahrt: KVB Tramlinien 1, 3, 4 , 7, 9, 16, 18 (Neumarkt); Bus 136, 146 (Neumarkt)
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