Hanka Meves erinnert mit dem Roman „Der Künstlerinnen-Klub“ an die Kölner Künstlerin Olga Oppenheimer
Vor 150 Jahren wurde Olga Oppenheimer geboren: eine expressionistische Kölner Künstlerin, von der nur wenige Werke erhalten sind, die aber mit der Gründung eines Künstlertreffs mit Ausstellungsbetrieb viel für die moderne Kölner Kunstszene und die Einbeziehung der Frau getan hat. Mehr als nur ein Grund für Hanka Meves, an sie mit der Biografie „Der Künstlerinnen-Klub“ – jetzt im emons Verlag erschienen – zu erinnern.
Es ist ein „historischer Roman“, der mit vielen unbekannten Details aus der internationalen und besonders der Kölner Kunstszene von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 überrascht. Olga Oppenheimer, Tochter eines Versicherungsmanagers, und ihre Freundin Emmy Worringer, Tochter der Betreiber der renommierten Zoo-Gaststätte, studieren in München Kunst – für Frauen in dieser Zeit eher eine Ausnahme – und machen sich mit ihrer Kunst zusammen auf den Weg in die Moderne.
Von Kölns Presse totgeschwiegen
Zurück in Köln, mieten sie nach langer Überlegung Räume in der Gereonsstraße. Emmy übernimmt vor allem die Verwaltungsarbeit, Olga richtet hier eine – letztlich kaum angenommene – Malschule für Frauen ein. Einmal in der Woche lädt das Duo hier Kollegen und kunstinteressierte Bürger zu einem „jour fix“ ein. Außerdem stellen sie Kollegen aus. Der Verkauf reicht jedoch nicht, um das Projekt zu finanzieren. Nach rund zwei Jahren ist es zu Ende. Auch, weil die Kölner Presse das Projekt totschweigt.
Eingebettet ist die Geschichte in die internationale Auseinandersetzung mit den neuen Kunstrichtungen. Traditionalisten streiten mit Modernisten, deutsche Künstler untereinander und mit ihren französischen Kollegen. Auch Alfred Hagelstange, damals Rektor des Wallraf-Richartz-Museums, trug zu der heftigen Auseinandersetzung bei, als er aktuelle Kunst ausstellte und dafür alte Meister ins Depot verbannte.
„Sonderbund“-Ausstellung sorgt für Furore
Eine Sensation dann die internationale „Sonderbund-Ausstellung“, 1912 in einer kurzfristig erbauten Halle am Aachener Tor eröffnet. Gezeigt wurden über 600 Werke, unter anderem von Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Paul Signac, Ferdinand Hodler, Henri Matisse, Paul Cezanne, Piet Mondrian, Cuno Amiet, Oskar Kokoschka, Egon Schiele – und Olga Oppenheimer. Fast 30.000 Besucher und Verkäufe von über 300.000 Mark musste dann auch die Kölner Lokalpresse anerkennen.
Mit einem Trick erweitert Hanka Meves die Sicht auf die damalige Zeit: Sie führt Mimi in die Geschichte ein, die als Mädchen mit ihren Eltern aus einem nahen Dorf nach Köln zieht, damit ihr Vater dort bei „Gummi Grün“ arbeiten kann. Sie beginnt eine Lehre in der Zoo-Gaststätte und kommt so mit Emmy in Kontakt, der sie schließlich bei der Klub-Organisation hilft.
Ein Blick „von außen“ auf die Kunstwelt
Mimi ist gleichsam das Medium, durch das der Leser miterlebt, wie ein traditioneller Mensch moderne Kunst kennenlernt. Sie steht symbolisch für die Stellung der Frau in der bürgerlich-kaiserlichen Gesellschaft und deren Weg zur Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Das alles aus deren Sicht geschrieben.
Doch der oft abrupte Wechsel zwischen Mimis „ich“ und der „neutralen“ Sichtweise, dazu die häufigen Ortswechsel zwischen Köln und Paris, wo eine kleine Kölner Künstlerkolonie lebte, stört den Lesefluss. So erreicht diese Biografie nicht die Qualität von Meves’ Biografie der ebenfalls von ihr aus der Vergessenheit geholten Kölner Komponistin Maria Herz.
Olga Oppenheimers Einweisung 1918 in eine psychiatrische Klinik und ihre Ermordung durch die Nationalsozialisten 1941 in Hadamar sind dann nur noch eine knappe Erwähnung im knappen Personenregister des Nachspanns.
Hanka Meves: „Der Künstlerinnen-Klub“ – emons Verlag, Köln 2026. Paperback, 335 Seiten, 15,00 Euro