Stadt Köln verleiht auch 2026 fünf Förderstipendien für Kunst, Musik und Literatur

Juli 11, 2026 Köln

Am Ende der kleinen Feier ein Gruppenfoto: Dazu kam auch Kulturdezernent Stefan Charles nach vorne (ganz rechts). Neben ihm Roger Kintopf, Nora Schramm, Emma Lydssan, Aduni Ogunsan, Kento Ishikawa und Teresa de Bellis-Olinger.

Mit der traditionellen kleinen Feier im Rathaus wurden am Freitag die diesjährigen fünf Kölner Kunst-Förderstipendien an die Preisträgerinnen überreicht. Im Anschluss trug sich das Quintett ins Gästebuch der Stadt ein. Moderiert wurde die Feier von Bürgermeisterin Teresa De-Bellis-Olinger (CDU). In ihrer Rede betonte sie die Aufgabe der Kunst, Mut und Freiheit für neue Ideen zu fördern und lobte die „hochqualifizierten Bewerbungen“ der Kandidaten.

Kento Ishikawa trägt sich ins Gästebuch der Stadt Köln ein. Neben ihm Bürgermeisterin Terese De Bellis-Olinger (l.)

Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium für zeitgenössische Musik

Kento Ishikawa erhält in diesem Jahr das „Bernd-Alois-Zimmermann-Stipendium für zeitgenössische Musik“. „In seinem Werk ist diese Leichtigkeit spürbar, die in der Musik nicht oft zu finden ist“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Der Komponist verstehe es, ein feines Gewebe aus Instrumentalgeräuschen, Tönen und auch zugespielten Geräuschfetzen zu schaffen, das energetisch gerichtet ist. Und schließlich: „der Wechsel zwischen lebendigen und humorvollen Klangwelten und fragilen Strukturen unterstützt diese besondere Leichtigkeit in Ishikawas Musik“.

Kento Ishikawa wurde 1997 in Tokio geboren. Er studierte dort Komposition an der Tokyo University of the Arts und ist aktuell an der Hochschule für Musik und Tanz Köln immatrikuliert. In Japan gewann er schon mehrere Preise. Er setzte sich gegen 19 Mitbewerber durch.

Roger Kintopf bedankt sich bei der Feier im Rathaus für das Stipendium.

Horst und Gretl Will-Stipendium für Jazz und improvisierte Musik

Roger Kintopf kann sich in diesem Jahr über das Das „Horst und Gretl Will-Stipendium für Jazz und improvisierte Musik“ freuen. Die Jury überzeugte der Kontrabassist durch seinen Auftritt als „sideman“ in verschiedenen Formationen, „in denen er nicht der Bandleader ist, gleichwohl Wichtiges zum Konzept und den Konturen der Musik beiträgt“. Er habe sich zu einem „gefragten und sehr markanten Musiker entwickelt, der in den Formationen, in denen er arbeitet, die eigenen Ausdrucksweisen mit denen der Mitmusiker*innen aufmerksam zu koordinieren versteht“.

Roger Kintopf (geboren 1998 in Darmstadt) spielte schon als 11-Jähriger E-Bass. Ende der 2010er Jahre studierte er an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Außer ihm bewarben sich noch 16 andere Musiker um das Stipendium.

Emma Lydssan präsentiert die Stipendien-Urkunde.

Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst

Das Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst geht in diesem Jahr an Emma Lydssan. „An der Schnittstelle zwischen Inszenierung und Authentizität zeichnet sie in ihrem Werk ein sensibles Porträt ihrer Generation“, so die Jury. „Dabei hinterfragt sie soziale Normen und stellt die Frage, was Anpassung für jeden Einzelne*n in unserer Gesellschaft bedeutet. Klischees werden angedeutet, aber nie bedient, vielmehr durch die Gegenüberstellung der Bilder immer wieder unterwandert“.

Emma Lydssan wurde 1998 in Bergisch Gladbach geboren. Ihr Studium in Bielefeld schloss sie 2021 mit dem Bachelor of Arts Fotografie und Medien ab, studierte dann in London und Brüssel weiter. Seit 2022 ist sie an der Fachhochschule in Dortmund. Sie setzte sich gegen 24 Mitbewerberinnen durch.

Aduni Ogunsan (l.) hat die Urkunde von Bürgermeisterin Teresa de Bellis-Olinger erhalten.

Friedrich-Vordemberge-Stipendium für Bildende Kunst

„Ihre Werke sind selbstbewusst und ihre Themen zugleich persönlich wie auch universell lesbar“, heißt es in der Jury-Begründung über Aduni Ogunsan. Ihre Spezialität ist die Verbindung von Malerei mit dem Trägermaterial Textil. „Ihre Arbeiten überzeugen auf vielen Ebenen, insbesondere durch die malerische Materialität, mit der Frage von Identität, Migration und Repräsentation verhandelt werden – Themen, die für die gegenwärtige Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind.“

Aduni Ogunsan wurde 1997 in Tönisvorst geboren und lebt in Mönchengladbach. Sie studierte Malerei in Münster und an der Kunstakademie Düsseldorf. 2019 verbrachte sie ein Auslandssemester in Dublin. Die Künstlerin ist Initiatorin des Netzwerks „BlackArtistNRW“, das die Sichtbarkeit und Vernetzung Schwarzer Künstler*innen in Nordrhein-Westfalen stärkt. Mit insgesamt 61 Bewerbungen war dieses Stipendium das nachgefragteste.

Trug sich als letzte ins Kölner Gästebuch ein: Nora Schramm. Teresa De Bellis-Olinger sah aufmerksam zu (l.).

Rolf-Brinkmann-Studium für Literatur

Norma Schramm hatte sich mit ihrem Romanprojekt „Frederik bei Nacht“ für dieses Stipendium beworben: Die Geschichte eines Liebespaares , das so schnell wie möglich zusammenziehen will. Um eine gemeinsame Wohnung beziehen zu können, müssen sie einer Mieterin kündigen. „Mit sprachlicher Präzision und großer erzählerischer Sogwirkung enfaltet >Frederik bei Nacht< ein ebenso komisches wie berührendes Panorama prekärer Gegenwartserfahrungen“, fasst die Jury ihre Entscheidung zugunsten der Autorin zusammen.

Nora Schramm (geboren 1993 in der Südpfalz) studierte in Gießen Fremdsprachen und Kulturwissenschaften. Heute lebt sie in Köln. 2024 erschien ihr Debutroman „Hohle Räume“, für den sie den Kranichsteiner Literaturförderpreis des Deutschen Literaturfonds und den Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg erhielt. Mit ihr gab es 31 Bewerbungen für das Literatur-Stipendium.

Premiere: Von jedem Stipendiaten ein Filmporträt

Begonnen hat die Kölner Stipendien-Tradition 1971, damals nur für Kölner Künstlerinnen und Künstler, seit 2010 werden sie landesweit ausgeschrieben, Höchstalter 35 Jahre (beim Horst und Gretl Will-Stipendium 30 Jahre). Dotiert sind die fünf Stipendien mit jeweils 12.000 Euro, das Stipendium für Jazz und Improvisierte Musik wird von der Horst & Gretl Will-Stiftung finanziert. Dazu gibt es eine Ausstellung bzw. ein Konzert. Den Jurys gehört neben Experten der jeweiligen Sparte auch deren Vorjahres-Stipendiat an. Bei der Verleihung gab es in diesem Jahr eine Neuerung: Mohamad Moe Sabbah, im Vorjahr Gewinner des Chargesheimer-Stipendiums, hatte von jedem neuen Stipendiaten ein 5-Minuten-Porträt gedreht, in dem sie sich und ihre Arbeit vorstellen konnten.