Reflexion über das eigene Schaffen: Käthe-Kollwitz-Museum zeigt Mappenwerk der Künstlerin

Juli 29, 2026 Kunst/Ausstellungen

„Kollwitz – Ausgewählt“ – so empfängt die Ausstellung ihre Besucher.

1917 – Käthe Kollwitz feiert ihren 50. Geburtstag mit einer Ausstellung ihrer Handzeichnungen in der Berliner Galerie von Paul Cassirer. Anlass, ihr künstlerisches Schaffen zu überdenken. Dann wählt sie aus den dort ausgestellten 150 Arbeiten 24 aus. Diese erscheinen 1920 als Mappenwerk im Dresdner Richter-Verlag, dem jetzt das Käthe-Kollwitz-Museum die Sonderausstellung „Kollwitz – Ausgewählt“ widmet.

Großzügig auf einer zentralen Wand präsentiert, empfangen die 24 von der Künstlerin ausgesuchten Arbeiten den Besucher der Ausstellung. Einige dieser Arbeiten hatte Käthe Kollwitz schon an Sammler und Museen verkauft und nahm sie nun in die Mappe „Handzeichnungen in originalgetreuen Wiedergaben“ auf – so wichtig waren sie ihr für dieses Vorhaben. Und so gibt diese Sammlung nicht nur einen Überblick über ihre unterschiedlichen Techniken und „Stile“ von der dahin gehauchten unfertigen Skizze bis zum fein ausgearbeiteten Bild.

Die Themen, die Kollwitz’ Leben und Werk bestimmten

Vor allem aber spiegelt sie die großen Themen wider, die sie ein Leben lang beschäftigen: glückliche Mütter und ihr Kind, Mütter, die – wie Käthe Kollwitz ihren im Ersten Weltkrieg gefallenen Sohn Peter – ihre toten Kinder betrauern, Selbstporträts, soziale Not, Beispiele aus dem Zyklus „Bauernkrieg“, Zeichnungen für die Satire-Zeitschrift „Simplicissimus“. Das älteste Bild aus dem Jahr 1894 zeigt den Sohn „Hans mit Pflegerin“, das jüngste aus dem Jahr 1920 trägt den Titel „Eltern“. Jeder Mappe wurde die Kreidelithographie „Nachdenkende Frau“ – vermutlich ein Selbstporträt – beigelegt, die eigens hierfür entstand und ihrem Sohn Peter gewidmet war.

„Nachdenkende Frau“ – diese Kreidelithographie lag jeder Mappe bei.

Hergestellt wurden die Mappen im aufwändigen und kostspieligen Lichtdruckverfahren, bei dem je nach Farbton bis zu 15 Negative nötig sind. Wie diese Technik funktioniert, wird in einem besonderen Teil der Ausstellung ausführlich erklärt. Jedes reproduzierte Blatt erhielt auf der Rückseite den Stempel der Richter-Druckerei

Für die Mappe ein Bild verändert

Den kann man auch beim Rundgang durch die Dauerausstellung auf den Erklärungen zu einigen Exponaten entdecken: Im Gesamtzusammenhang lässt sich so die Antwort finden, warum Kollwitz gerade dieses Bild für die Mappe ausgesucht hat. Und das ursprüngliche Bild „Tod“ aus dem Weberzyklus hat sie offenbar für die Mappe bearbeitet: Hier zeigt sie einen Vater, der seinen Arm beim Anblick auf die sterbende Mutter besorgt auf die Schuler des vor ihm stehenden Jungen legt – in der Erstfassung konnte er offenbar noch nicht trauern.

Farbzeichnung zur „Pieta“ – die Bronzeskulptur entstand um 1937 und zeigt eine Mutter mit ihrem toten Sohn. – Foto: Käthe-Kollwitz-Museum

Mit dieser Mappe macht sich Käthe Kollwitz nicht nur auf die Suche nach sich selbst. Sie war sicher auch eine willkommene Gelegenheit, Geld zu verdienen. Die Mappe erschien in drei Ausgaben, in der Größe leicht unterschiedlich. Ausgabe A hat eine Auflage von nur 5 Exemplare und kostete zunächst 6.000 Mark, Mappe B mit einer 20er Auflage war für 3.000 Mark zu haben – jedes Blatt war durchnummeriert.

Das galt nicht für Mappe C, hier ist die Auflage unbekannt, sie kostete anfangs 600 Mark und wurde ein Jahr später für 900 Mark gehandelt. Die Mappen waren schnell vergriffen, viele Blätter wurden offenbar im Laufe der Zeit einzeln verkauft. So ist von Mappe A nur noch ein Exemplar im Dresdner Kupferstich-Kabinett erhalten. Das Kölner Museum konnte seine Mappen B und C in den 1980er Jahren im Kunsthandel erwerben.

„Kollwitz – Ausgewählt“ – bis 15. November 2026. Käthe-Kollwitz-Museum Köln, Kreisparkasse Köln, Neumarkt 18-24. Tel. 0221 / 227 28 99, www.kollwitz.de, museum@kollwitz.de. Öffnungszeiten: Di-So und Feiertags 11-18 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat 11-21 Uhr. Eintritt 8/4 Euro, freier Eintritt für alle unter 18 Jahren. Anfahrt: KVB Tramlinien 1, 3, 4 , 7, 9, 16, 18 (Neumarkt); Bus 136, 146 (Neumarkt)