„Ivy Touch“ – Kunst auf Litfaßsäulen macht häusliche Gewalt zum Thema

März 8, 2026 Kunst/Ausstellungen

„Ivy Touch“ – hier am Erzbergerplatz…

Litfaßsäulen wurden erfunden, um gezielt für bestimmte Produkte oder Ereígnisse zu werben. Diese ursprüngliche Funktion greift die aktuelle Kunstsäulen-Aktion „Ivy Touch“ von Freya Hattenberger intensiver und konkreter auf, als es sonst gemeinhin der Fall ist. Sie will auf häusliche Gewalt aufmerksam machen und weist dazu gleich auf eine Hilfsadresse für davon Betroffene hin.

Auf zwei großformatigen Fotos, die sich wegen der Litfaß-Krümmung nicht mit einem Blick in ihrer Gänze betrachten lassen, sind ein Frauengesicht zu sehen bzw. der nackte Rücken einer Frau, die sich mit einer Hand am Hals festhält. Aus beiden Körperteilen scheint – entstanden durch eine fotografierte Projektion – Efeu (Ivy) hervorzuwachsen.

Die unsichtbaren Spuren einer Berührung sichtbar machen

Die 48-jährige Kölnerin will damit die unsichtbaren Spuren sichtbar machen, die jede Berührung hinterlässt. Efeu symbolisiert dabei für sie „die Dualität von Beziehung: Heil‑ und Stützpflanze versus invasive, toxische Nähe und Überwucherung.“ Diese im Alltag oft „verborgene Ambivalenz von Nähe, Berührung und Gewalterfahrung“ will sie in den Blick der Stadtgesellschaft holen. Beim täglichen Vorbeigehen soll so die Routine gebrochen werden, mit „Ivy Touch“ Reflexion, Empathie und Wachsamkeit herausgefordert werden. Von häuslicher Gewalt Betroffene können über einen QR-Code mit Hilfs- und Beratungsstellen Kontakt aufnehmen.

 

Nach der jüngsten Statistik des Bundeskriminalamtes wurden 2024 265.942 Menschen Opfer häuslicher Gewalt – ein neuer Höchststand. 70,4 Prozent von ihnen waren Frauen. Allein in Nordrhein-Westfalen waren es insgesamt 61.406 Fälle, ein Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber 2023.

… und hier von der anderen Seite. – Fotos: JS

„Ivy Touch“ ist noch bis Ende April zu sehen. Die Standorte der 27 Kunst-Litfaßsäulen finden sich unter www.stadt-koeln.de/kunstsäulen