„Immisitzung 2026“ begeistert das Publikum mit närrischem Blick auf Politik und Alltag

Januar 24, 2026 Theater

Führt seit Jahren mit Schwung und Witz durchs Programm: Sitzungspräsidentin Myriam Chebabi – alle Fotos: Mario Furth/Immisitzung

Cindy in der Bio-Tonne, Pippi 2.0, Singin’ in the Riehl, Hot in Hürth oder das Musical „Die Eifel“ – alles Ideen zu Sketchen, die letztlich nicht für die aktuelle Immisitzung umgesetzt wurden, wie das Team in einer eigenen Nummer verrät. Was es dann doch – ein Rückblick auf vergangene Highlights inklusive – auf die Bühne geschafft hat, sorgte beim Premierenpublikum im Bürgerhaus Stollwerck nach gut dreieinhalb Stunden für langen begeisterten Beifall.

Markenzeichen und Ausgangspunkt für die Gründung der „Immisitzung“ war und ist der Blick der Immis auf ihre Situation in Deutschland im Allgemeinen und Köln im Speziellen und der Blick auf sie. Vorurteile gegen Menschen mit dunklerer Haut führen so etwa bei Schutzengeln zum Fehleinsatz bei einem Selbstmord. Was kann Deutschland tun, um Arbeitskräfte aus dem Ausland gegen den Fachkräftemangel ins Land zu holen? Was hilft gegen braunen Haß?

Neue Soldaten für die Bundeswehr? Die Immisitzung wüsste wie!

Sex durch die VR-Brille erlebt

Dann sind da noch die Probleme, die alle haben – egal ob deutsch oder Immi. Etwa die Boomer-Generation, die jetzt zur Bundeswehr soll. Ob Minenräumen statt Flaschensammeln die richtige Alternative für gesuchte neue Rekruten ist? Wie zufriedenstellend ist ehelicher Sex, der nicht live, sondern per VR-Brille stattfindet und der Liebespartner mal eben gelöscht werden kann?

Ganz schön peinlich, wenn bei VR-Sex der Partner gelöscht wird.

Wie kann eine verliebte Single-Frau auf einer Kreuzfahrt die Aufmerksamkeit des attraktiven, aber leider schwulen Kellners gewinnen? Und was tun gegen Lärmüberflutung? Auch dem Miethai singen sie frei nach Billie Eilishs „Bad Guy“ die Leviten.

Donald Trump kauft Köln auf

US-Vizepräsident JD Vance kommt mit seinem Chef nach Köln und verspricht, den Kölner Dom zu kaufen, den er in Don(ald) umbenennen und zu einem Luxushotel umbauen will. Der Friedhof Melaten wird in Melania umgetauft und dass aus Funkenmariechen Fuckmariechen für Trump werden, kommt nicht ganz so überraschend. Und selbstverständlich wird Trump den Krieg zwischen Köln und Düsseldorf sofort beenden.

Wenn auf der Bühne getanzt wird, geht die Post ab – auch beim Publikum!

Auch die Unfähigkeit der Stadt etwa Sauberkeits – oder Verkehrsprobleme zu lösen wird thematisiert. Sitzungspräsidentin Myriam Chebabi führt gekonnt und mitreißend durch den Abend und kämpft in bester Stoiber-Manier mit der deutschen Sprache. Will etwas gegen die finanzielle Urinierung tun und Geld sammeln für Menschen in Notdurft oder für arme Straßenrinder in Dortmund.

Köln und Frankreich in der Paartherapie

Unverzichtbarer Bestandteil des Programms ist auch das streitbare Puppen-Freundespaar mit dem kölschen „Dickerchen“ und dem französischen „Schneckenfresser“. Diesmal streiten sie über den Kampf gegen Rechts in Frankreich und Deutschland und laufen mit der Erfindung eines Computer-Passworts ins Leere. Aber alles halb so schlimm: Sie schließen erfolgreich eine Paartherapie ab, für die sie ausnahmsweise vom Olymp auf die Bühne herabsteigen.

Finden bei der Paartherapie zusammen: Der „Franzmann“ (l.) und das Kölner „Dickerchen“.

Die brauchen das siebenköpfige Bühnenensemble und die Hauskapelle nicht. Da stimmt jeder Einsatz, jeder kann sich auf den anderen verlassen, gesanglich und tanzend reißen sie das Publikum immer wieder zum Mitmachen mit. Regelmäßiger Zwischenbeifall und befreiendes Lachen ist mehr als verdient.

Fortsetzung der alternativen Karnevalssitzung ist gefährdet

Ein Verlust, wenn es das nicht mehr gäbe. Denn ein Schatten liegt auf der 16. Auflage der Immisitzung. Nach Corona sind die Besucherzahlen gesunken, gleichzeitig ist alles teurer geworden. Gründe, die in dieser Session schon zur Auflösung der alternativen Karnevalssitzung „Fatal banal“ geführt haben. Die Immis hoffen mit einem Aufruf zum Crowdfunding den Fortbestand des rund 40-köpfigen Teams sichern zu können. Es wäre mehr als schade, wenn Köln auch diesen Teil des Karnevals verlöre.

Immisitzung 2026 – geplant sind insgesamt 15 Termine bis zum 17. Februar 2026, alle im Bürgerhaus Stollwerck, am 4. und 5. Februar in der Stadthalle Köln (Jan-Wellem-Straße 2, Köln-Mülheim), an Sonntagen um 16 Uhr, sonst 19:30 Uhr. Eintritt: 24 bis 47 Euro, Karten: www.immisitzung.de