"Hans Georg Esch. Der architektonische Blick: epochal – global“: MAKK feiert den Meister der Architektur-Fotografie

Juni 17, 2026 Kunst/Ausstellungen

Hans Georg Esch: „Hohe Domkirche zu Köln, Vierungsturm“ (2025) – @ HGEsch Photography

Hans Georg Esch (1964 in Neuwied geboren) gilt als einer der bedeutendsten Architekturfotografen der Gegenwart. Seine Fotos öffnen den Blick auf gewagte Perspektiven. Das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) zeigt jetzt über 100 seiner Arbeiten unter dem Titel „Der architektonische Blick: epochal – global“. Die Größe der Formate ist buchstäblich mitreißend – ebenso die internationale Motiv-Vielfalt. Die Bilderschau beginnt mit dem Foto eines Berliner Baus von Architekt Oswald Mathias Ungers, dem das Museum parallel im Untergeschoss eine Ausstellung widmet.

In diesem Jahr fotografierte Hans-Georg Esch in Köln die Arbeitersiedlung an der Mauenheimer Straße, Ende der 1950er Jahre nach den Plänen von Hansjörg Ludmann und Oswald Mathoias Ungers gebaut. – Foto: JS

„Ich wusste gar nicht, wie schön ich wohne“, staunt eine Besucherin vor den Fotos, die die Arbeitersiedlung in Köln-Mauenheim zeigen. Der Fotograf hat sich auf die Erker mit ihren Eckfenstern konzentriert: Sie werfen scharfe Schatten, scheinen einem Rhythmus zu folgen. Ähnlich seine Aufnahmen vom Wallraf-Richartz-Museum. Für den Zauber von Schatten scheint Esch ein besonderes Faible zu haben. Ebenso für den Wechsel von Hell und Dunkel, was etwa seinen Aufnahmen von den strukturierten Pfeilern in St. Johann Baptist (Neu-Ulm) einen ganz besonderen Reiz verschafft.

Mit Drohnen die Welt von oben entdecken

Auch Nebel ziehen ihn an. Auf der Luftaufnahme von Dubai ragen nur die Spitzen der Hochhäuser aus dem Wolkenmeer heraus. Von Abu Dhabi sind gar nur zwei Lichtblitze im blauen Dunst sichtbar. Die Vogelschau ist eine weitere Spezialität des Fotografen, in jüngster Zeit meist mit dem Einsatz von Drohnen. So erforschte er auch in jüngster Vergangenheit den Kölner Dom. Und in der Ausstellung konkurriert das Häusergewirr im jemenitischen Shimban mit der fast pedantischen Ordnung New Yorks. Der kühne Blick nach unten oder oben kann beim Betrachten leichte Schwindelgefühle wecken.

Hans Georg Esch: „Stuttgart 10“ (2024) – @ HGEsch Photography

Meisterhaft hält er die Struktur fest, die das Bild eines Hauses prägen, in der Totale ebenso wie im Detail. Wie streng geometrisch etwa gliedern Fenster eine Fassade? Oder die geschwungenen Formen, wie im Treppenhaus des gastgebenden Museums oder in der Halle des unfertigen Skandal-Bahnhofs Stuttgart 21.

Menschen sind die Ausnahme

Ein besonderes Thema war 2023 für ihn Pompeji. Auch hier wieder der Blick von oben auf von Mauern umgebene Gärten und Höfen. Spannend auch die knapp 30 Polaroids, alle noch schwarz-weiß und nicht größer als eine Postkarte. Ein ganz besonderer Augengenuss: Das gut 10 Meter lange Panorama von Jerusalem. Dann noch eine 18 Minuten dauernde Animation, bei der er seine Fotos im Schneckentempo aneinanderreiht – auch beim Blick in eine New-Yorker Straßenschlacht bewegen sich die Autos in Zeitlupe. Menschen aber sind bei ihm die große Ausnahme. Lediglich ein Fußgänger in Beijing und ein Arbeiter, der in Abu Dhabi auf einem Dach hart am Abgrund steht, weckten sein Interesse.

Blick in die Ausstellung „Hans Georg Esch. Der architektonische Blick: epochal – global“. Im Zentrum das Panorama von Jerusalem , entstanden 2019. – Foto: JS

 

„Hans Georg Esch. Der architektonische Blick: epochal – global“ – bis 27. September 2026. Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK), An der Rechtschule 7, 50667 Köln, Tel. 0221 / 221 – 238 60, www. makk.de. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Eintritt 6/3 Euro,. Anreise: KVB-Bahn Linie 3,4,16,18, Appellhofplatz und Dom Hbf, KVB-Bus Linie 171, Offenbachplatz