„Gebrauchsanweisung für Bier“ von Jaroslav Rudis weckt Durst und Reiselust

Bier ist wohl das älteste Kulturgetränk der Menschheit. Wo und wie es heute genossen wird, welche Rolle es für das soziale Zusammenleben spielt, ist Thema von Jaroslav Rudis’ neuem, im Piper-Verlag erschienenen Buch „Gebrauchsanweisung für Bier“: Eine Reise durch die Zentren der Bierbraukunst, gewürzt mit Wissen über Weltliteratur, die Droge Eisenbahn – eine mitreißende Liebeserklärung.
Es beginnt – klar – in Rudis Heimat Böhmen. Danach geht es durch Österreich, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Belgien, Finnland, die Niederlande und die Schweiz, England und Schottland, schließlich sogar bis Island. Am liebsten mit der Eisenbahn – Rudis zweite große Liebe, der er auch schon mehrere Bücher gewidmet hat, etwa seine „Gebrauchsreise fürs Zugreisen“.
Bekannte und unbekannte Brauereien und ihr Bier
Natürlich besucht er die bekannten Namen, aber er kennt auch die kleinen, bis jetzt noch eher unbekannten Brauerein, für die ihm kein Weg zu kompliziert ist. Er lässt die Menschen zu Wort kommen, denen wir das Bier verdanken: Vom Hopfenbauern bis zum Braumeister und dem Wirt, der weiß wie man Bier richtig zapft. Denn auch in Kneipen und Wirtschaften lädt der Autor ein.
Von jeder Brauerei erzählt er die Geschichte, beschreibt das Besondere des jeweiligen Bieres. Das geschieht in einem lockeren, aber nie oberflächlichen oder gar belehrenden Ton, dass es beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Mehr als nur nebenbei zeigt sich „Biermensch“ Rudis dabei auch als Kenner von Dichtern und deren Beziehung zum Bier – von Franz Kafka über Jaroslav Hasek bis Joseph Roth und Karl Kraus.
Nachholbedarf bei Bier aus Köln
Bleibt als Fazit: Ein wunderbar schreckliches Buch! Denn es macht unwiderstehliche Lust und Appetit, dem Dichter nachzureisen – und zwar möglichst sofort. Aber wer kann das schon…
Und noch einen kleinen Makel hat das Buch: Geht es um Kölsch, sind Rudis Kenntnisse bei all seinem Lob für Kölsch doch etwas dürftig. Er entschuldigt es damit, dass sein erster Besuch hier ausgerechnet Karneval war. Und darauf war er nicht vorbereitet. Aber eine ausführlichere Beschäftigung kann er ja nachholen, wenn er demnächst wieder hierher kommt. Und zwar im Rahmen der aktuellen lit.cologne: In der Lutherkirche Nippes (Siebachstr. 85) liest er am 20. März, 20 Uhr, aus seiner „Gebrauchsanweisung für Bier“. Eintritt: 28 Euro
Jaroslav Rudis: „Gebrauchsanweisung für Bier“ – Piper-Verlag, München 2025. 253 Seiten, 16 Euro.