Von wegen „Fünf Minuten Stille“ – bissiger Streit begeistert im freien Werkstatt-Theater

Januar 2, 2026 Theater

 

„Fünf Minuten Stille“ mit Daniel Breitfelder, Sebastian Kreyer und Johannes Brüssau (v.l.). – Foto: Jan Niklas Berg / FWT

„Fünf Minuten Stille“ – der Titel hält nicht, was er verspricht. Und das ist gut so. Denn das Stück von Leo Meier, das jetzt im Freien Werkstatt Theater (FWT) Premiere hatte, ist alles andere als leise. Im Gegenteil, es ist laut, chaotisch und bietet einen höchst kurzweiligen Blick hinter die Kulissen einer chaotischen Theaterprobe. Und steht exemplarisch für die Art, wie aktuell viele Diskussionen ablaufen.

Drei Männer haben sich zum Einstudieren eines Theaterstücks verabredet. Zwei sind pünktlich, der dritte (Sebastian Kreyer) im Bunde kommt zu spät – er musste noch an einer Militärübung teilnehmen, konnte sich also noch nicht seiner Tarnuniform entledigen. Immerhin übernimmt er selbstbewusst und ungewählt für die kommenden Ereignisse das Kommando.

Immer wieder muss das Publikum lachen

Und dabei geht es alles andere als still zu. Auch wenn das Trio die Stille feiern will. Dauernd wird gestritten, erzählt, in Erinnerungen geschwelgt, sich ins Wort gefallen. Oft genug theatralisch gesteigert. Wer ist der Chef, wer bestimmt, wo es lang geht? Agression staut sich an. Aber so, dass das Publikum immer wieder lachen muss.

Auch wenn für die drei „Theater eine Droge ohne Kiffen“ ist, sind die Ansprüche an diesen Beruf höchst unterschiedlich. Einer (Daniel Breitfelder) verdient sein Geld als Vampir im Phantasialand, da gibt es immerhin Urlaub. Den Dritten im Bunde (Johannes Brüssau) zieht es an die Augsburger Puppenkiste und in die Travestieszene gleichzeitig .

In zwei Wochen soll das Stück stehen, am 15. Tag Premiere gefeiert werden. Durch Einblendungen werden die Tage heruntergezählt, dazu auch, wer gerade eine nicht abgesprochene Pause einlegt und so das gemeinsame –Premiere in zwei Wochen – Ziel gefährdet.

Von der Bühne ins reale Theaterleben

Diese Terminierung gilt für das FWT auch in der realen Programmplanung. So wurden und werden aktuell weitere Stücke in zwei Wochen eingespielt. Eine Zeitverschärfung, mit der man auf die angespannte Finanzsituation und zugleich auch schneller auf aktuelle Themen reagieren will – zum Einstieg (die Premiere war im November) das Thema Diskussionskultur, es folgten „Die Katze Eleonore“ über Selbstwahrnehmung (siehe luurensrhein) und „The New Silicon Valley“ über die Ausbeutung der Erde.

Ein Stück in zwei Wochen einstudieren? Ein kühnes Vorhaben – die drei auf der Bühne ziehen am Ende die Bilanz „gescheitert“. Doch zeigt diese Inszenierung mit dem Produktionsbüro Petra P., dass es durchaus möglich ist. „Fünf Minuten Stille“ jedenfalls ist der gelungene Auftakts-Beweis für dieses Projekt. Und nach 90 Minuten klatschte das Premierenpublikum begeistert Beifall.

„Fünf Minuten Stille“ – die nächsten Vorstellungen: 23. und 24. Januar (20 Uhr), 12. Oktober (18 Uhr). Freies Werkstatt-Theater, Zugweg 10, 50677 Köln, www.fwt-koeln.de, Kartenbestellungen: 0221 / 32 78 17. Anfahrt: KVB-Linien Bahn: 13, 15, 18; Bus: 106, 132, 133, 142 – jeweils Chlodwigplatz