„Wegbereiterinnen des Wandels – Die Erste Frauenbewegung in Köln“: Ausstellung im Stadtarchiv blickt zurück

Plakat aus dem Jahr 1918: Einladung zu einer SPD-Wahlveranstaltung speziell für Frauen – Foto: JS
Der Mann sorgt fürs Geld, die Frau kümmert sich um Haushalt und Kindererziehung – und tut im Übrigen, was ihr Ehemann sagt. So sieht das aktuelle Rollenbild von Mann und Frau in rechtsorientierten politischen Kreisen aus. Da zeichnet die Ausstellung „Wegbereiterinnen des Wandels – Die Erste Frauenbewegung in Köln“ im Stadtarchiv ein notwendiges Gegenbild: Der Blick auf mehr als ein Jahrhundert, in dem von Köln wichtige Impulse für die Gleichstellung der Frau ausgingen. Erst mit Alice Schwarzer und ihren Frauenmedienturm konnte die Stadt vor gut 30 Jahren an diese Tradition anknüpfen.

Blick in die Ausstellung „Wegbereiterinnen des Wandels – Die Erste Frauenbewegung in Köln“ – Foto: JS
Historische Dokumente, Urkunden, Plakate, Briefe, Bücher und Fotos erzählen die Geschichte, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt und bis in die 1960er Jahre reicht. Dabei hatten es ledige Frauen in Köln bis 1875 zunächst dank des noch seit der französischen Besatzung geltenden Code Civile etwas besser. Nach der Heirat jedoch schuldeten sie dem Ehemann Gehorsam und waren nicht voll geschäftsfähig. Daran änderte auch das 1900 eingeführte Bürgerliche Gesetzbuch nichts. In der Bundesrepublik wurde diese Abhängigkeit erst 1977 aufgehoben.
Mathilde Franziska Anneke: 1848 auf den Barrikaden
In der Revolution von 1848 engagierten sich dann auch Frauen. Die Folge: 1850 wurde ihnen die Mitgliedschaft in Parteien und politischen Vereinen sowie die Teilnahme an politischen Versammlungen verboten. Beispielhaft davon betroffen war die Schriftstellerin Mathilde Franziska Anneke (1817-1884): Sie hatte sich schon vor 1848 als Journalistin für Emanzipation und Gleichstellung der Frau eingesetzt. Noch 1849 kämpfte sie an der Seite ihres Mannes Franz mit den letzten Aufständischen in der Pfalz. Ein Jahr später wanderten sie in die USA aus.
Mit Mathilde Franziska Anneke beginnt die Ausstellung. Weitere Porträts widmen sich Luise Otto-Peters (1819-1895, Schriftstellerin und Gründerin von Frauenvereinen), Mathilde von Mevissen (1848-1924, Mitgründerin des ersten Mädchengymnasiums in Köln), Marie Juchacz (1879-1956, Sozialreformerin und Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt), Helene Weber (1881-1962, CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Parlamentarischen Rat, der 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik erarbeitete) und Klara Caro (1886-1979, Aktivistin u.a. für das Frauenwahlrecht). Aber auch dem Kölner August Bebel (1840-1913, Begründer der Sozialdemokratie) und dem Kölner Archivar Josef Hansen (1862-1943).
Wie sich diese allerdings auf unterschiedlichen Gebieten und politischen Vereinigungen – oft genug in nationalem Kontext – für die Gleichstellung der Frau eingesetzt haben, muss man sich an rund 25 Hör- und Videostationen zusammenpuzzeln. Ein kleines Manko der Ausstellung, darüber kann allerdings die originelle visuelle Übersetzung der Lebensläufe durch KI hinwegtrösten.
Kampf für Gleichberechtigung auf vielen Gebieten
Dafür ist die Ausstellung thematisch geordnet, Überschriften sind etwa die bürgerliche, die konfessionelle, proletarische Frauenbewegung, der Kampf gegen Prostitution, für Bildung oder für das Wahlrecht. Daneben drei Zeit-Ebenen: Weimarer Republik, Nationalsozialismus und ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik.
Und eine bittere Pointe im langen Kampf um Gleichstellung spart die Ausstellung nicht aus: Wenn die Männer im Krieg waren – egal ob im Ersten oder Zweiten Weltkrieg – dann durften die Frauen sie in den Fabriken vertreten. Was manche mit dem Tod bezahlten.
„Wegbereiterinnen des Wandels – Die Erste Frauenbewegung in Köln“– bis 22. März 2026. September. Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv der Stadt Köln, Eifelwall 5, 50674 Köln. Tel. 0221 / 221-244 53, historischesarchiv@stadt-koeln.de Di und Do bis So 9-16:30 Uhr, Mi 9-19:30 Uhr. Eintritt frei. Katalog: 15 Euro. Anfahrt: KVB-Bahnlinie 18 (Eifelwall/Stadtarchiv)