„Dekonstruktion und Montage“ – Kunst- und Museumsbibliothek verspricht mehr als Ausstellung hält

März 28, 2026 Kunst/Ausstellungen

Steffen Missmahl: „Scheinobjektive Betrachtungen“ (colorierte Digital-Collagen, 13 signierte Unikate in Weißblechkassette, 2025) – Foto: JS

Die große Zeit der politischen Collage waren die 1930er Jahre mit John Heartfield. An diese Tradition knüpfen die Künstler an, die jetzt die Kunst- und Museumsbibliothek im Museum Ludwig präsentiert. Das verspricht zumindest die Ankündigung, in der vom „Ausdrucksmittel für gesellschaftliche, politische und persönliche Komplexe“ die Rede ist. Das aber ist deutlich zu viel versprochen, ebenso die Ankündigung von „liebes affären zu köln“. Immerhin: Die gezeigten unterschiedlichen Techniken, Bildersprachen und Materialien geben aber einen Überblick über aktuelle künstlerische Ansätze.

Den Beginn macht Karlheinz Deutzmann mit „Everything matters – Chronicle of a year“: Dicke Bücher, in denen er Zeitungsausschnitte aus den Jahren 2025 und 2026 zu politischen und kulturellen Ereignissen sammelt und mit anderen thematischen Ausschnitten oder Eintrittskarten collagiert. Eine Fleißarbeit, aber grafisch eher fade.

Fotos zerschnitten und neu zusammengesetzt

Tilman Peschel fotografierte einen Mann, der einen anderen von hinten unter dem Kopf umarmt. Dieses Motiv zerschneidet er und klebt diese in anderer Zusammensetzung wieder zusammen. Es entstehen überaus skurrile Körperformen, ebenso wie bei dem Motiv eines Mannes im Fersensitz. Boscher Theodor verwebt Streifen aus Zelluloid, hängt diese zwischen zwei Bilderrahmen und weckt so Assoziationen an ein Filmarchiv.

Boscher Theodor: „Archiv“ (Karton, 16 mm Film, Holzkeilrahmen, 2022) – Foto: JS

Tamara Lorenz arbeitet mit unterschiedlichen geometrischen, schwarz-weißen Formen, die sich in ihren Bildern überlappen. Dazwischen sanfte Farben und verschwommene Fotos, die die Arrangements in der Luft schweben lassen. Ähnlich die Arbeiten von Volker Saul, etwa seine Serie „Auflage“, bei der er mit schwarzen Streifen auf Silberpapier buchstabenähnliche Formen kreiert und mit Farbflecken kombiniert. Oder sein Spiel mit unterschiedlich geschnittenem und belegtem Gold- und Silberpapier „Nur gucken, nicht anfassen“.

„Alles ehrlich gestohlen“

Steffen Missmahl kombiniert auf einzelnen Blättern Fotos von Möbeln, Pflanzen oder tecchnischen Geräten mit Linien, Farbklecksen und skurrilen Sprüchen wie „Nichts ist kopiert, es ist alles ehrlich gestohlen“. Mit unterschiedlichen Materialien spielen Nicola Schudy und Katharina Jahnke. Schudy setzt Fliesen, Spiegel oder Porzellanteile zu skulpturähnlichen Gebilden. Ebenso Jahnke, sie ist dazu auch die Einzige, die neben surrealen Collagen in ihren Arbeiten sichtbar auf Köln zurückgreift und etwa Bilder in einem Katalog des Wallraf-Richartz-Museum mit zusätzlichen Besuchern und Kunstwerken anreichert.

Katharina Jahnke: „The great Movies“ (Rekonstruktionen aus Büchern, 2026) – Foto: JS

„Dekonstruktion und Montage – von collagen und liebes affären zu köln“ – bis 19. April 2026. Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln im Museum Ludwig (Eingang Filmforum). Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln. Mo 14-21 Uhr, Di-Do 10-21 Uhr, Fr-So 10-18 Uhr. Eintritt frei. Anfahrt: KVB-Bahn: Linien 5, 16, 18: Dom/Hbf