Cécile Lempert lockt mit „Down below“ und Riesenwalen in die artothek

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Cécile Lempert vor ihrem „Whale diptych“ (jeweils 300 x 160 cm, Leimfarbe und Pastell auf Leinwand, 2025) – Foto: JS
Mit drei Metern Höhe sind die Bilder von Cécile Lempert alles andere als unbestimmt oder unklar – doch das Zerbrechliche, Unbestimmte, Gefährdete ist das zentrale Thema ihrer Ausstellung „Down below“ in der artothek.
Zwei Wale im Großformat, die gerade aus dem Wasser springen und glitzernde Wassertropfen versprühen, daneben eine Robbe mit sanftem Blick – ebenfalls alles andere als klein – empfangen den Besucher. Für die in Köln lebende Künstlerin stehen sie symbolisch für eine bedrohte Natur, bedroht von jagenden Menschen, von der Klimakatastrophe. Ihre Zukunft ist unsicher.
Unsichere Zukunft, unklare Vergangenheit
Darauf spielt der Ausstellungstitel „Down below“ (etwa „tief unten“) an. So unsicher wie der Blick in die Zukunft ist auch ihr Blick in die Vergangenheit. So beschäftigt sie sich immer wieder mit der Geschichte von Menschen, Familien, Völkern. Was weiß man von ihnen, wie setzt sich mit dem Blick von heute das Bild von ihnen zusammen? Das ist der zweite Teil dieser Ausstellung.
Grundlage hierfür war der Katalog „Reimaging a lost Armenia“ des Fotografen und US-Philosophieprofessors Arman T. Marsoobian. Darin gesammelt sind Zeugnisse des türkischen Völkermords an den Armeniern, zusammengetragfen Marsoobians Familie, die Zeuge dieses Genozids war. Lempert variiert zum einen die Ansichten des Sebastia-Viertels der armenischen Hauptstadt Jerewan, das es so nicht mehr gibt.

Was sagen Markarids Füße über ihr Leben? („Markarid IV, 45 x 115 cm) – Foto: JS
Zum anderen setzt sie ein Foto von Markarid, der Schwester Marsoobians, in Malerei um. Sie zerlegt das Porträt in sieben Teile – wie sich die Erinnerung an einen Menschen auch oft wie ein Puzzle zusammensetzt. Nicht nur hier überzeugt Lemperts malerisches Können. Da ist der Gebrauch von Leimfarben, die sie in einem aufwändigen Verfahren zusammensetzt.
Was denkt die Porträtierte gerade?
Die 32jährige Künstlerin bevorzugt den breiten Pinsel – und kann damit die kleinsten Details zum Leben bringen. Wie die Wassertropfen, die die Wale von sich schütteln. Oder in einem Doppelporträt von Markarid. Zu sehen ist nur die Linke Gesichtshälfte, auf den ersten Blick zwei identische Bilder, doch etwas unterscheidet sie. Was? Die unterschiedlichen Gedanken, die die Frau gerade hat? Oder die des Betrachters?

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Cécile Lempert vor ihrem „Whale diptych“ (jeweils 300 x 160 cm, Leimfarbe und Pastell auf Leinwand, 2025) – Foto: JS
Und nicht nur malen kann sie meisterlich, sondern auch plastisch arbeiten. So setzte sie Joseph Beuys’ Lithographie „Robbe“ – man kann sie in der artothek ausleihen – in eine 2 Meter lange Gipsfigur um. Ein rosa Filetstück, markanter Mittelpunkt der Ausstellung…
Cécile Lempert: „Down below“ – bis 28. Februar 2026. artothek im Haus Saaleck, Am Hof 50, 50667 Köln, Tel. 0221 / 221 223 32, www.museenkoeln.de/artothek. Öffnungszeiten: Di-Fr 13-19 Uhr, Sa 13-16 Uhr. Eintritt frei. Anfahrt: KVB-Bahnlinien 5, 16, 18 (Dom/Hbf)