„RE: Kollwitz“: Ausstellung im Käthe-Kollwitz-Museum zeigt, was Käthe Kollwitz den Künstlern von heute sagt

Anita Olarescu: „Sichtweisen“ – Leporello mit Zitaten aus Käthe Kollwitz’ Tagebüchern (2026) – © Anita Olarescu
Käthe Kollwitz gehört zu den Künstlerinnen, die wegen ihres Könnens und ihres politischen Engagements bis heute immer wieder diskutiert werden. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig (HBK) war sie Thema eines Kunstprojekts. 19 Künstler nahmen daran teil, die Arbeiten von 8 sind jetzt unter dem Titel „RE: Kollwitz“ in Köln zu sehen. Das Käthe-Kollwitz-Museum nutzt sie im Rahmen des Programms „Bildstörung“ um in direkter Gegenüberstellung neue Sichtweisen auf die Künstlerin zu öffnen.
Für die Studenten waren unterschiedliche Facetten der Arbeiten von Kollwitz Ausgangspunkt ihrer Auseinandersetzung – sowohl ihre unterschiedlichen Techniken, ihre Themen und Inhalte, aber auch die Person Käthe Kollwitz. So las Anita Clarescu die Tagebücher der Künstlerin, in denen diese sehr offen auch ihr Liebesleben reflektiert. Zitate daraus fasste sie zum Leporello „Sichtweisen“ zusammen, illustriert mit dem bekannten Porträtfoto von Hugo Erfurth aus dem Jahr 1924, das die Künstlerin in typischer Denkerpose zeigt.
Hände als Symbol für ein Schicksal
Andere Studenten beschäftigten sich mit der Bildgestaltung. Hände spielen für Kollwitz eine wichtige Rolle, werden sie doch von den Mühen des Lebens geprägt. Ganz anders die Hände der Fotografin Lucie Löchel: Schlaff hängen sie an ihrem Körper herunter – und doch jeden Moment bereit, aktiv zu werden. Ernst blickt Käthe Kollwitz auf ihren Selbstporträts den Betrachter an. Gleiches gilt für das Foto von Heidi Specker: Es zeigt eine Unbekannte und verschreckte – so erinnert sich Specker – viele Besucher bei einer Ausstellung als zu „direkt, ehrlich und ungeschönt“.

Jana Ehls: „Was fehlt (VIII)“ – Wandobjekt aus Plexiglas mit Gips-Bruchstücken (2026) – © Jana Ehls
Benjamin Friedles Interesse galt der technischen Reproduzierbarkeit der Druckgrafiken. Von ihm ist eine unbearbeitete Kupferplatte zu sehen – genauso groß wie der Kollwitz-Druck „Arbeitslosigkeit“ aus dem Jahr 1909. Die ist auf der Rückseite der Wand zu sehen und zeigt eine kranke Mutter im Bett mit drei kleinen Kindern, an ihrer Seite ein verzweifelter, abgehärmter Mann. Jonnas Erler drehte einen Film über die Arbeit in der Kunstgießerei Noack-Hermann in Berlin, bei der schon Käthe Kollwitz ihre Bronze-Skulpturen gießen ließ.
Was ist aus ihren Plastiken geworden?
Aktuell sind nur 15 plastische Arbeiten von Käthe Kollwitz erhalten. Es müssen einmal über 40 gewesen sein, wenn man Fotodokumentationen glaubt. Jana Ehls fragte: „Was fehlt?“ und sammelte in einem Kasten die Gipsbruchstücke imaginärer Kollwitz-Bronzegüsse. Stephan Stahn sammelt in seinem Blechkasten „Uprising“ collageartig Bildfragmente unterschiedlicher Kollwitz-Arbeiten, setzt sie so zu einer Einheit zusammen und erzählt gleichzeitig von der Bedeutung der Fotografie, wenn er eine Kopie des ersten Fotos der Geschichte (1826 von Joseph Niepce) hinzufügt.

Lucie Löchel: „Die Hand, hängend“ (2026) – Hände waren für Käthe Kollwitz Vermittler von Nähe, Distanz und emotionalen Zustanden – © Lucie Löchel
Den Schlusspunkt dieser ebenso vielfältigen wie eindrucksvollen Sonderausstellung bildet Takeki Hayashidas Objekt „Aber die Landschaft ist noch schön“. Auch er greift damit einen Satz aus Kollwitz’ Tagebüchern auf. Sie schrieb ihn, als sie aus dem kriegszerstörten Berlin mit dem Zug nach Moritzburg exilierte. Die Arbeit zeigt eine idyllische Landschaft mit einer Baumreihe am Horizont. Umrahmt wird es von gestaffelten Kartonplatte, die das Ganze wie den Blick aus einem Zugabteil nach draußen wirken lassen.
„Bildstörung #2 – RE: Kollwitz“ – bis 15. November 2026. . Käthe-Kollwitz-Museum Köln, Kreisparkasse Köln, Neumarkt 18-24. Tel. 0221 / 227 28 99, www.kollwitz.de, museum@kollwitz.de. Öffnungszeiten: Di-So und Feiertags 11-18 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat 11-21 Uhr. Eintritt 8/4 Euro, freier Eintritt für alle unter 18 Jahren. Anfahrt: KVB Tramlinien 1, 3, 4 , 7, 9, 16, 18 (Neumarkt); Bus 136, 146 (Neumarkt)