SK Stiftung Kultur feiert 150. Geburtstag von August Sander

„August Sander – zum 150. Geburtstag“: Blick in die Ausstellung, hier seine Kölner Lichtbildwerkstatt. Foto: JS
Mit seinem Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ sicherte sich August Sander (1876-1964) seinen unumstößlichen Platz in der Fotokunstgeschichte. Was er daneben noch geschaffen hat, wird davon überstrahlt. Zu seinem 150. Geburtstag öffnet die SK Stiftung Kultur ihre Sammlung und gibt in 17 Kapiteln mit über 500 – darunter auch einige Leihgaben – Fotos einen oft überraschenden Einblick in das breite Schaffen Sanders.
Da ist etwa seine Arbeit als „normaler“ Fotograf, der in den 1900er Jahren im österreichischen Linz sowie bis in die 1910er Jahren im Westerwald rund um seinen Geburtsort Herdorf das gesellschaftliche Leben dokumentierte. So hielt er – wohl auf Auftrag – zum Beispiel Familienfeste im Bild fest. Auch seine eigene Familie saß und stand immer wieder vor der Kamera.

August Sander: Bauern, 1927 – © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn
Auffällig schon in dieser Zeit seine Aufnahmen aus der Arbeitswelt und die Porträts, die lediglich mit der Berufstätigkeit betitelt sind. Hier kündigt sich schon sein Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ an, dessen Konzept er zwischen 1925 und 1927 entwickelt. Das Beispiele hieraus in der Ausstellung gezeigt werden, liegt auf der Hand.
Blick in Sanders Kölner Atelier
Von 1911 bis 1942 hatte er sein Fotoatelier an der Dürener Straße in Köln. Klar, dass er auch sein Empfangszimmer, Aufnahmeraum und Labor mit der Kamera festhielt. Ergänzt werden diese Fotodokumente durch eine Sitzbank und ein Glasfenster, das seinen Arbeitsplatz schmückte. Es zeichnet sich durch kleine Glasmalerei-Porträts des Fotografie-Erfinders Daguerre und von Joseph Niepce aus, der Erfinder der Heliografie, der ersten fotografischen Technik.

August Sander: Bauern, 1927 – © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn
In seinen Kölner Jahren dokumentiert er zum einen die lokale Kunstszene, porträtiert deren Mitglieder und Arbeiten, zum anderen die Karnevalsszene in ihrer Vielfalt. Besondere Aufmerksamkeit widmet er den Künstler- und Lumpenbällen. Doch sind es keine Schnappschüsse ausgelassenen Feierns, sondern meist wohlinszenierte Gruppenbilder, bei denen die Porträtierten eher steif als fröhlich in die Kamera winken. Eben typische August-Sander-Ästhetik.
Ein Faible für arbeitende Hände
„Mensch und Maschine“ zeigt einen weiteren Themenschwerpunkt in August Sanders Werk. Während er sich bei den „Menschen des 20. Jahrhunderts“ in der Regel auf die Berusfnennung beschränkt, sehen wir hier die Menschen bei der Arbeit. Am Lufthammer oder Bohrwerk, an der Hobelbank oder an der Zahnrad-Fräsmaschine. Eine besondere Sympathie scheint er für Leben und Arbeit der Bauern gehabt zu haben. So begleitete er systematisch die „Haubergwirtschft“ im Siegerland, zeigte Feld- und Erntearbeit ebenso wie die der Gerber oder Bäcker.

August Sander: Am Lufthammer, 1938 – © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Für viele Ausstellungsbesucher sicher eine Überraschung ist das Kapitel „Studien, der Mensch“. Aus seinen Fotos vergrößerte er Körperteile wie Augen, Nasen, vor allem aber Hände bei der Arbeit. Dabei schrecken ihn auch die Handstümpfe eines kriegsversehrten Soldaten nicht ab. Aus dem Rahmen fällt eine Collage, bei der er ein Gesicht mit den vergrößerten Teilen des Kopfes umgibt. Eher unbekannt auch seine Leidenschaft für Pflanzen, die er schon als Kind sammelte.
Fotoreise nach Sardinien
Bekannter ist Sanders Themenschwerpunkt Städte und Landschaften. Dazu zählt etwa seine Reise nach Sardinien, von der er 1927 nach vier Wochen über 300 Negative mit nach Hause brachte. In den 1930er Jahren streifte er durch Köln, besonders liebte er wohl den Blick auf die Stadt von einem Turm aus. Das Ergebnis war ein Mappenwerk, das er 1953 der Stadt mit dem Titel „Köln, wie es war“ verkaufte. Aber auch die Zerstörungen durch den Krieg war ein Thema.

August Sander: Westerwaldlandschaft, 1920er Jahre – © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Auch Niederrhein, Eifel, Westerwald, Mittelrhein und Siebengebirge haben Sander angezogen. Ihm brachten die oft konventionellen, immer aber einfühlsamen Ansichten seiner engeren und weiteren Heimat auch Geld, wie zahlreiche Postkarten zeigen. Vieles, was er dort in den 1930er Jahren zeigte, existiert heute nicht mehr. Insofern darf man gespannt sein auf das Ende eines Projekts des Fotografen Gerhard Fleischer, der Ansichten von August Sander heute „nachstellen“ will.
„August Sander – zum 150. Geburtstag“ – bis 24. Januar 2027. Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel.: 0221 / 888 95 300, E-Mail: photographie@sk-kultur.de, www.photographie-sk-kultur.de. Öffnungszeiten: täglich außer mittwochs von 14 bis 19 Uhr, am ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr. Eintritt: 7,50 / 4,50 Euro, erster Donnerstag im Monat freier Eintritt. Begleitender Katalog „August Sander: Wesen und Werden der Photographie – Die Radiovorträge für den WDR, Köln 1931“ 65,00 Euro. Anfahrt: KVB-Linien 12 und 15 (Station Christophstraße/Mediapark)