„Amazonia“: Fotos von Sebastiao Salgado faszinieren im Rautenstrauch-Joest-Museum

Kampa do Rio Amônea Indigenous Territory, state of Acre, Brazil – © Sebastião Salgado (2016)
Das Amazonasbecken ist mit fast 7 Millionen Quadratkilometern – jetzt kein Größenvergleich mit dem Saarland oder einem Fußballfeld – das größte Regenwaldgebiet der Erde. Heimat für viele heute bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Und sein Bestand ist durch Brandrodungen für die Landwirtschaft Brasiliens gefährdet – geht er verloren, ist der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten. Für den brasilianischen Fotograf Sebastiao Salgado (1944-2025) war sein Erhalt Lebensthema. Die (Wander-)Ausstellung „Amazonien“ ist mit ihren atemberaubend mitreißenden Fotos sein Testament, seine letzte Verfügung, ein Appell an die gesamte Welt für Klimaschutz.
Rund 200 Fotos sind es. Da sind zum einen die großformatigen Landschaftsaufnahmen, darunter viele Luftbilder. Farbe ist die große Ausnahme, doch gerade durch die Beschränkung auf schwarz-weiß wirken sie so monumental. Klein kommt sich der Betrachter vor den dramatisch inszenierten Bildern vor. Da wabern die Nebel über den dichten Wäldern. Die Schlingen des Flusses täuschen eine schier unendliche, inselreiche Seenplatte vor. Von kahlen Hochflächen donnern schmale Wasserfälle in die Tiefe. Und dazwischen immer wieder kahle Flächen, abgeholzt für Landwirtschaft, Bergbau, Straßen – und wieder aufgeforstet.

„Amazonien“: Blick in die Ausstellung – © Andreas Endermann / RJM
Widerstand ist möglich
Denn auch das ist ein Ziel der Ausstellung: Zu zeigen, dass Widerstand oder Wiedergutmachung der Zerstörung möglich ist. Möglich nicht zuletzt durch den Einsatz der indigenen Bevölkerung. Deren von der „Zivilisation“ bedrohtes Leben ist das andere Kapitel der Ausstellung.
Macuxi, Yanomani, Ashaninka, Korubo, Zo’é, Xingu, Awá Guaja heißen die indigenen Völker, deren von „Zivilisation“ und „Fortschritt“ bedrohtes Leben der engagierte Fotograf porträtiert. Man sieht sie im Alltag und beim Feiern, stolz ihre Jagdwaffen präsentierend, beim Weben, Tanzen und Ringen. Bei der Bananenernte, beim Schwimmen. Einzeln und in der Gruppe, Männer, Frauen, Kinder, Familien – stolz, manchmal auch skeptisch gegenüber dem „weißen“ Blick des Fotografen. Nur selten bekleidet, bisweilen mit Körperbemalung, meist aber nackt – was nicht nur im Vorfeld oft hitzig diskutiert wurde und wird. Eine überflüssige Diskussion, denn die Menschen werden so gezeigt, wie sie leben.

River archipelago of Mariuá. Rio Negro. State of Amazonas, Brasilien – © Sebastião Salgado, 2019
Den Indigenen eine Stimme geben
In drei Videos kommen sie auch selber zu Wort: Erzählen von der Wasserverschmutzung und den importierten Krankheiten, denen sie ausgesetzt sind, von den Abholzungen und wie sie sich dagegen wehrten.
Eine breite Wandtafel zeichnet das wechselhafte und engagierte Leben des mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Fotografen nach. Er war Mitglied der renommierten Foto-Agentur Magnum, dokumentierte unter anderem 1991 den Zweiten Golfkrieg. Ab Beginn dieses Jahrtausends beschäftigte er sich mit der Bedrohung der Natur, zuletzt stand Amazonien im Mittelpunkt seiner Arbeit. Hier engagierte er sich – bisweilen in fragwürdigen Kooperationen – unter anderem für die Wiederaufforstung.
Schließlich gibt es noch zwei Videopräsentionen, die eine zeigt im Supergroßformat Landschafts-, die andere Menschenfotos. Schließlich noch 21 Flachreliefs, die es Sehbehinderten erlauben, die Fotos zu ertasten – auch die nackten Körper.
„Sebastiao Salgado: Amazonien“ – bis 15. März 2026. Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33, 50667 Köln, Tel. 0221 / 221-31356. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, erster Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Umfangreiches Begleitprogramm. Eintritt: 15/12 Euro, Kombiticket Dauerausstellung und „Amazonien“: 18/15 Euro. Anfahrt: KVB-Bahn Linie 1, 4, 7, 9 (Neumarkt), 12, 18, 19 (Rudolfplatz), KVB-Bus Linien 136, 146 (Neumarkt)