„Missionssammlungen ausgepackt“ – Rautenstrauch-Joest-Museum packt ein vernachlässigtes Geschichtskapitel an

Januar 21, 2026 Kunst/Ausstellungen

„Missionssammlungen ausgepackt“ – die Ausstellungsgestalter haben den Titel wörtlich genommen. – Foto: JS

Katholische und evangelische Missionare zogen von Deutschland – auch von Köln – aus, um die Menschen in Asien, Afrika und Südamerika zum Christentum zu bekehren. Dort sammelten sie religiöse Objekte, die dann nach Deutschland kamen. Ausgestellt wurden sie zum Beispiel in den Missionsmuseen in Verl und der Steyler Missionare in St. Augustin – doch diese Werber für die Missionsarbeit wurden vor Jahren geschlossen. Ihre Sammlungen, zusammen gut 30.000 Objekte, kamen ins Bochumer Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhruniversität Bochum. Eine Auswahl zeigt jetzt das Rautenstrauch-Joest-Museum unter dem Titel „Missionssammlungen ausgepackt“, erweitert um 200 Exponate aus der hauseigenen Sammlung.

Der Titel hat die Ausstellungsmacher inspiriert: Immer trifft der Besucher auf große, gestapelte Kisten und Säcke. Ausgepackt sind sie, doch die Ordnung, in der ihr Inhalt präsentiert wird täuscht: Vieles ist noch nicht „ausgepackt“, noch nicht geordnet. Einige Vitrinen sind mit Packpapier verkleidet, in das Gucklöcher hineingerissen wurden.

Religion im (Zwangs-)Austausch

Überraschend, wie oft Christentum und die ursprünglichen Religionen zusammen fanden – oft genug gezielt herbeigeführt. So übernahmen Missionare einerseits vorgefundene religiöse Symbole in ihre Glaubensbotschaft, um ihre Botschaft glaubhafter zu machen. Oder überlieferte Rituale wurden in die neue Religion übernommen. Etwa in Zentralafrika: Um die Kräfte freizusetzen, die in religiösen Figuren wohnten, wurden Nägel hineingeschlagen. Voller Nägel ist dann auch die Figur eines gekreuzigten Christus.

Buddha-Figur aus Holz, etwa 19. Jahrhundert. Der Künstler ist unbekannt. Leihgabe der Steyler Missionare e.V., St. Augustin. – Foto: JS

In Südamerika traf die christliche Gebetskette auf traditionelle Kettenkunst. Und in Peru wurde Christus Kreuzigung mit dem Tod des letzten Inka Kaisers Tupac Amaru gleichgesetzt – er wurde von den Spaniern hingerichtet. Die Missionare ihrerseits hatten wohl nichts dagegen, wenn Christus, seine Jünger oder seine Mutter Maria Gesichtszüge der neuen chinesischen Gläubigen annahmen.

Stichworte zur Selbsterkundung der Ausstellung

Karten mit Stichworten wie Provenienzforschung, Liturgie, kulturelle Aneignung, Kolonialmacht oder Restitution liegen bereit: Anregung für den Besucher, Antworten auf die damit verbundenen Fragen zu suchen – und zu finden. So erfährt er von Zwangsumsiedlungen, Zerstörung von Dörfern oder der Angst vor den unbekannten Krankheiten, die die Missionare mitbrachten. Bei den Erklärungen zu den Exponaten wurde mit Menschen aus den Herkunftsländern zusammengearbeitet.

Präsentation – Foto: Taimas Ahangari 2025 /RJM

Nicht immer geklärt ist die Herkunft der Exponate. Viele gelangten wohl als Geschenk an Missionare über diese in europäische Sammlungen. Sicher wurde vieles auch als persönliches Erinnerungsstück gekauft. Das dürfte vor allem für jüngere Objekte gelten. Vieles wurde als „Beweis“ für den „Irrglauben“ der Indigenen gesammelt, vieles sicher auch zerstört. So ist die Ausstellung ein wichtiger Beitrag zu einem Kapitel deutsch-christlicher (Kolonial-)Geschichte, das noch lange nicht aufgearbeitet ist.

„Missionssammlungen ausgepackt“ – bis 8. Februar 2026. Rautenstrauch-Joest-Museum, Cäcilienstr. 29-33, 50667 Köln, Tel. 0221 / 221-31356. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, erster Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Eintritt: 7/4,50 Euro. Anfahrt: KVB-Bahn Linie 1, 4, 7, 9 (Neumarkt), 12, 18, 19 (Rudolfplatz), KVB-Bus Linien 136, 146 (Neumarkt)